Malignes Melanom der Haut (ICD-10 C43) im Fokus

In diesem Artikel werden die epidemiologischen Kennzahlen Inzidenz, Mortalität und Prävalenz des malignen Melanoms in Hessen dargestellt. Außerdem werden die hessischen Inzidenzraten mit gesamtdeutschen Raten verglichen.

Epidemiologische Auswertungen Maligner Melanome in Hessen

Die in diesem Artikel gezeigten Daten sind für Sie zum Download verfügbar. Sie können entweder über den „Download“-Button jede Grafik oder Tabelle einzeln als Bild oder Excel-Datei herunterladen, um diese mit entsprechender Quellenangabe weiterzuverwenden. Oder Sie laden die Zusammenfassung der Ergebnisse des Artikels als Faktenblatt (PDF-Dokument) herunter.

Epidemiologie und Risikofaktoren des Malignen Melanoms der Haut

Das maligne Melanom ist die vierthäufigste Krebsart bei Frauen und die fünfthäufigste Krebsart bei Männern in Deutschland [1]. Auch in Hessen steht das maligne Melanom an vierter Stelle der häufigsten Krebsneuerkrankungen für beide Geschlechter. Dabei ist die Mortalität im Vergleich zu anderen Krebsarten niedrig, in Deutschland betrug die altersstandardisierte Mortalitätsrate (alter Europastandard) 2,5 Sterbefälle pro 100.000 für Männer und 1,5 Sterbefälle pro 100.000 für Frauen für das Jahr 2022 [2]. Auch die Prognose ist mit einem relativen 10-Jahres-Überleben von 93 % für Männer und 94 % für Frauen gut [1,2].

Seit 2008 wird in Deutschland für Personen ab einem Alter von 35 Jahren von den gesetzlichen Krankenkassen alle 2 Jahre ein Hautkrebsscreening übernommen (Informationen zum Hautkrebsscreening) [3]. Die Inanspruchnahme ist bislang allerdings eher niedrig, die Zahlen hierzu schwanken je nach Datenquelle stark [4,5]. Eine Auswertung des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) ergab anhand von Versichertendaten, dass innerhalb eines Zeitraumes von drei Jahren (2019-2021) 36,6 % der Frauen und 32,8 % der Männer mindestens einmal das Hautkrebsscreening in Anspruch genommen haben [5].

Hauptrisikofaktor für das maligne Melanom ist UV-Strahlung durch wiederkehrende Sonnenbelastung und Sonnenbrände, vor allem im Kindes- und Jugendalter [6]. Auch ein hellerer Hauttyp, große Pigmentmale (Leberflecken) seit Geburt, eine höhere Anzahl gutartiger Pigmentmale, Vorkommen atypischer Pigmentmale sowie die eigene und familiäre Melanom-Vorgeschichte tragen zu einem erhöhten Risiko bei [6]. Daneben werden Polychlorierte Biphenyle (PCB) von der Internationalen Agentur für Krebsforschung (International Agency for Research on Cancer, IARC) in Bezug auf das maligne Melanom als krebserregend gelistet [7]. Die Verwendung dieser Stoffe ist seit 1989 in Deutschland verboten, sie kommen aber in unserer Umwelt immer noch vor und müssen auch beim Recycling alter technischer Geräte und beim Abriss von Gebäuden bezüglich des Arbeitsschutzes berücksichtigt werden [8].

In diesem Artikel wird dargestellt, wie sich die Inzidenz und Mortalität des malignen Melanoms in Hessen entwickelt haben und wie hoch diese Kennzahlen aktuell sind. In einer Detailauswertung werden die Neuerkrankungsfälle entsprechend ihrer Lokalisation betrachtet, also an welchem Teil des Körpers das maligne Melanom aufgetreten ist. Ebenfalls wird gezeigt, wie viele Personen aktuell in Hessen am malignen Melanom erkrankt sind (Prävalenz). Abschließend werden die hessischen Inzidenzraten mit den Raten ganz Deutschlands verglichen.

Wie haben sich die Inzidenz und Mortalität des Malignen Melanoms (ICD-10 C43) in Hessen entwickelt?

Es ist ein Anstieg der altersstandardisierten Inzidenzraten beider Geschlechter von 2008 bis 2016 (Männer) bzw. 2017 (Frauen) in Hessen zu erkennen (siehe Grafik unten). Seitdem sinken die Inzidenzraten bei Männern bis 2021, bei Frauen ist zwischenzeitlich bis zum Diagnosejahr 2019 ein deutlicher Rückgang zu erkennen. Die Inzidenzraten beider Geschlechter gleichen sich in den Jahren 2020 und 2021 an, im Jahr 2022 sinkt die Inzidenzrate für Frauen wieder, bei Männern bleibt sie auf ähnlichem Niveau wie in den Vorjahren.

Da das deutschlandweite Programm zum Hautkrebsscreening im Jahr 2008 begonnen hat [5] und die Daten des Hessischen Krebsregisters ebenfalls seit 2008 flächendeckend für ganz Hessen für Auswertungen zur Verfügung stehen, ist ein möglicher Einfluss des Screenings auf die Inzidenzraten des malignen Melanoms in der hier vorliegenden Auswertung nicht ermittelbar.

Die altersstandardisierten Mortalitätsraten in Hessen sind deutlich niedriger als die Inzidenzraten und weisen einen stabileren Verlauf über die Zeit hinweg auf, mit nur geringen Schwankungen. In den Jahren 2018 und 2019 sieht man einen sehr leichten Rückgang der Mortalitätsraten bei Frauen sowie einen Anstieg bei Männern, dieser ging im Jahr 2020 wieder auf das vorherige Niveau zurück. Trotz Screeningmaßnahmen sind die Mortalitätsraten seit 2008 in Hessen nicht merklich gesunken.

Wie hoch sind die Inzidenz und Mortalität des Malignen Melanoms (ICD-10 C43) in Hessen aktuell?

Insgesamt wurden 2.101 Fälle des malignen Melanoms in Hessen im Jahr 2022 neu diagnostiziert, dies entspricht 5,7 % aller in Hessen diagnostizierten Krebsfälle (siehe Tabelle unten). Mit 36,1 Männern pro 100.000 und 29,8 Frauen pro 100.000 hessischer Einwohnerinnen und Einwohner werden Männer etwas häufiger diagnostiziert als Frauen, auch nach Berücksichtigung der Altersverteilung. Das Erkrankungsalter bei Männern liegt mit 69 Jahren höher als bei Frauen mit 65 Jahren. Mit 55 DCO-Fällen (DCO – death certificate only; Fälle, die nur anhand der Todesbescheinigung registriert wurden) ist der Anteil an allen registrierten Melanom-Fällen mit 2,6 % im Vergleich zu anderen Krebsarten deutlich niedriger (ca. 14 % für alle Krebsneuerkrankungen). Auch die Sterbefälle machen mit 258 Fällen nur einen kleinen Anteil aller Krebssterbefälle in Hessen aus (1,6 %), das Sterbealter liegt bei beiden Geschlechtern bei 79 Jahren.

Der Anstieg der Zahl der Neuerkrankungen im Jahr 2022 beginnt bei Frauen in jüngerem Alter als bei Männern (siehe Grafik unten). Bei Frauen sieht man einen Altersgipfel bei 55-59 Jahren, danach sinkt die Neuerkrankungsrate wieder, bis sie nach und nach ab 65 Jahren bis zum Alter von 79 Jahren wieder ansteigt. Bei Männern steigt die Anzahl an Neuerkrankungen erst in späteren Altersjahren an, dafür aber ab dem Alter von 45-49 Jahren gleichmäßiger als bei Frauen bis zum Altersgipfel von 85+ Jahren. Männer weisen ab dem Alter von 60-64 Jahren deutlich höhere Neuerkrankungsraten auf als Frauen. Ein Vergleich mit der Altersverteilung bei Screening-Teilnahmeraten zeigt, dass Frauen in jüngeren Jahren häufiger zum Screening gehen, bei Männern beginnt der Anstieg erst deutlich später [5].

Ab einem Alter von 60 Jahren weisen Männer deutlich höhere Sterberaten auf als Frauen, dieser Abstand vergrößert sich ab einem Alter von 80 Jahren nochmals (siehe Grafik unten). Bei beiden Geschlechtern ist die Sterberate ab einem Alter von 85 Jahren am höchsten, wobei es bei Männern bereits im Alter von 70-74 Jahren zu einem deutlichen Anstieg kommt.

Die untenstehende Tabelle zeigt die Anzahl der Neuerkrankungsfälle nach Lokalisation (ICD-O-3) des malignen Melanoms getrennt für Frauen und Männer sowie für beide Geschlechter gemeinsam. Fälle, die nur durch Todesbescheinigungen bekannt sind, sind hier eingeschlossen (sogen. DCO-Fälle). Über ein Drittel der neu diagnostizierten malignen Melanome sind auf der Haut am Körperstamm (Rumpf) lokalisiert, jeweils ein Viertel bzw. ein Fünftel der Neuerkrankungsfälle werden auf der Haut der oberen Extremitäten (Arme und Hände) und der Schulter sowie auf der Haut der unteren Extremitäten (Beine und Füße) und der Hüfte diagnostiziert. Für Männer ist der Körperstamm ebenfalls die mit Abstand häufigste Lokalisation, bei Frauen werden maligne Melanome am häufigsten auf der Haut an den unteren Extremitäten und der Hüfte diagnostiziert, dicht gefolgt von der Haut am Körperstamm sowie an den oberen Extremitäten und Schultern. Etwas über 6 % der Neuerkrankungsfälle bei Männern sind an der behaarten Kopfhaut und der Haut am Hals lokalisiert, bei Frauen liegt dieser Anteil bei etwas über 3 %.

Auch wenn die Hautoberfläche des Gesichts am stärksten und häufigsten von UV-Bestrahlung durch die Sonne ausgesetzt ist, werden an dieser Körperstelle nicht die größte Anzahl an Neuerkrankungen festgestellt, sondern am Körperstamm. Die Häufigkeitsverteilung von malignen Melanomen hängt aber von der Größe der entsprechenden Hautoberfläche der jeweiligen Körperregion ab. Die Hautoberfläche des Körperstamms bzw. Rumpfes macht ungefähr 32 % der gesamten Hautoberfläche aus, im Gesicht sind es nur knapp 3 % [10]. Aus diesem Grund ist es sinnvoll, die Verteilung der Neuerkrankungszahlen bezüglich der Körperoberfläche zu korrigieren (siehe "Methoden" zu Beginn dieses Artikels). In der folgenden Tabelle sind sowohl die altersstandardisierten Inzidenzraten pro Geschlecht und Lokalisation als auch die bezüglich der Körperoberfläche adjustierten altersstandardisierten Inzidenzraten (adj. ASR) dargestellt (inklusive DCO). Die Verteilung der altersstandardisierten Inzidenzraten entspricht in etwa der Verteilung der absoluten Neuerkrankungszahlen pro Lokalisation und Geschlecht aus der vorherigen Tabelle. Das adjustierte ASR zeigt hingegen die höchste Inzidenz beim äußeren Ohr (Adj. ASR = 0,80 Fälle pro 100.000 Personen), gefolgt von der Gesichtshaut (Adj. ASR = 0,52 Fälle pro 100.000 Personen). Der Rumpf ist deutlich seltener betroffen; das gilt für beide Geschlechter. Lediglich die Haut der oberen Extremitäten und der Schulter liegt auch nach Berücksichtigung der Körperoberfläche unter den drei am häufigsten diagnostizierten Lokalisationen des malignen Melanoms.

Wie viele Personen sind in Hessen aktuell am Malignen Melanom (ICD-10 C43) erkrankt?

Eine Erläuterung zur Berechnung der Prävalenz finden Sie im Bereich "Methoden" zu Beginn dieses Artikels. Insgesamt waren zum Zeitpunkt 31.12.2022 2.004 Personen in Hessen innerhalb des vorangegangenen Jahres an einem malignen Melanom der Haut erkrankt und nicht verstorben (siehe Tabellen unten). Das entspricht 0,03 % aller in Hessen wohnenden Personen. Die jeweiligen Anteile von erkrankten Personen an der hessischen Bevölkerung (1-Jahr, 3-Jahre und 5-Jahre) sind für beide Geschlechter vergleichbar.

Wie hoch ist die Inzidenz des Malignen Melanoms in Hessen im Vergleich zu ganz Deutschland?

Die Daten der unten gezeigten Grafik sind dem DKR Länderatlas entnommen (Deutsche Krebsregister e.V.) [9]. Die Grafik zeigt eine Zeitreihe der altersstandardisierten (alter Europastandard) Inzidenzraten pro 100.000 Personen für das maligne Melanom der Haut pro Geschlecht jeweils für Deutschland und für Hessen. Aufgrund der deutlich größeren Bevölkerungszahl sind die Inzidenzraten für ganz Deutschland über die Jahre hinweg stabiler mit weniger Schwankungen, als die Zahlen für Hessen. Es ist zu erkennen, dass die Inzidenzraten für beide Geschlechter in Hessen seit 2014 durchgehend höher liegen als die Inzidenzraten für Gesamtdeutschland. Seit 2016 hat sich dieser Abstand für Männer noch einmal vergrößert, geht aber seitdem wieder leicht zurück und die Raten näheren sich den deutschen Kennwerten an. Bei Frauen schwankt dieser Abstand etwas mehr und nähert sich stärker den deutschen Kennwerten an. Im Jahr 2019 waren die Inzidenzraten für Frauen in Hessen und Deutschland ungefähr gleich. Das Alter bei Diagnose lag allerdings in Deutschland auf ähnlichem Niveau wie in Hessen. Im Jahr 2020 lag das mediane Erkrankungsalter laut RKI in Deutschland bei 63 Jahren für Frauen und 69 Jahren für Männer [1].

Fazit

Das maligne Melanom der Haut ist eine vergleichsweise häufig diagnostizierte Krebserkrankung mit niedriger Sterberate. In den letzten 5 Jahren sind die Inzidenzraten in Hessen leicht gesunken, die Mortalitätsraten sind weitestgehend stabil geblieben. Männer werden häufiger und in höherem Alter diagnostiziert als Frauen und weisen eine höhere Sterberate auf. In den letzten Jahren wies Hessen eine höhere Inzidenzrate als ganz Deutschland auf, aktuell nähern sich aber die hessischen Werte den deutschen Zahlen an. Durch Präventionsmaßnahmen wie Sonnenschutz und Hautkrebsscreening können maligne Melanome der Haut verhindert oder frühzeitig erkannt werden, um dadurch die Sterblichkeit zu reduzieren.

Literaturangaben

  1. Krebs in Deutschland für 2019/2020. 14. Ausgabe. Robert Koch-Institut (Hrsg) und die Gesellschaft der epidemiologischen Krebsregister in Deutschland e.V. (Hrsg). Berlin, 2023
  2. Zentrum für Krebsregisterdaten im Robert Koch-Institut: Datenbankabfrage mit Schätzung der Inzidenz, Prävalenz und des Überlebens von Krebs in Deutschland auf Basis der epidemiologischen Landeskrebsregisterdaten (DOI: 10.18444/5.03.01.0005.0017.0001 [Inzidenz, Prävalenz]; DOI: 10.18444/5.03.01.0005.0016.0001 [Überleben]). Mortalitätsdaten bereitgestellt vom Statistischen Bundesamt. www.krebsdaten.de/abfrage, Letzte Aktualisierung: 05.09.2024, Abrufdatum: 30.01.2025
  3. Hautkrebsscreening und Hautkrebsfrüherkennung. Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum. 2025, URL: https://www.krebsinformationsdienst.de/hautkrebs/frueherkennung (Letzte Aktualisierung: 21.01.2025, Aufgerufen am 04.02.2025)
  4. Der Hautkrebsreport 2019 - Ergebnisse von Routinedaten-Analysen der Techniker Krankenkasse aus den Jahren 2015 bis 2017. Matthias Augustin (Hrsg), Gerd Glaeske (Hrsg). Hamburg, 2019
  5. Wissenschaftliches Institut der AOK (WIdO) Inanspruchnahme von Früherkennungsleistungen der gesetzlichen Krankenversicherung durch AOKVersicherte im Erwachsenenalter (2007 - 2021) Berlin, Oktober 2022, URL: https://www.wido.de/fileadmin/Dateien/Bilder/Forschung_Projekte/Ambulante_Versorgung/Frueherkennung_bei_Erwachsenen_2007_2021.pdf (Aufgerufen am 30.01.2025)
  6. Leitlinienprogramm Onkologie, S3-Leitlinie Prävention von Hautkrebs (Langversion), Version 2.1, September 2021, URL: https://www.leitlinienprogramm-onkologie.de/fileadmin/user_upload/Downloads/Leitlinien/Hautkrebspraeventationsleitlinie_1.1/Version_2/LL_Pr%C3%A4vention_von_Hautkrebs_Langversion_2.1.pdf (Aufgerufen am 30.01.2025)
  7. International Agency for Research on Cancer, List of classifications by cancer sites with sufficient or limited evidence in humans, IARC Monographs Volumes 1–130, 2024, URL: https://monographs.iarc.who.int/wp-content/uploads/2019/07/Classifications_by_cancer_site.pdf (Aufgerufen am 30.01.2025)
  8. Informationsbroschüre „Tätigkeiten mit PCB-haltigen Produkten“ Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung, 2014, URL: https://www.ukh.de/medium/taetigkeiten-mit-pcb-haltigen-produkten (Aufgerufen am 30.01.2025)
  9. DKR Länderatlas, Gesellschaft der epidemiologischen Krebsregister in Deutschland e.V., Datenstand: 06.10.2023, URL: https://www.dkr.de/dkr-atlas/index.html#/de (Aufgerufen am 30.01.2025)
  10. Stang A, Valiukeviciene S, Aleknaviciene B, Kurtinaitis J. Time trends of incidence, mortality, and relative survival of invasive skin melanoma in Lithuania. European Journal of Cancer 2006, 42: 660-667.
  11. Lund CC, Browder NC. Estimation of area of burns. Surg Gynecol Obstet 1944;79:352–61.

Fragen? Ich berate Sie gerne!

Georg

Dr. Isabelle Georg
Epidemiologie
Telefon: 0611 3259-1451
Per E-Mail kontaktieren