Prognostiziertes Krebsgeschehen
Hier stellen wir Ihnen das prognostizierte Krebsgeschehen in Hessen bis zum Jahr 2040 vor.
Einleitung
Die älter werdende Bevölkerung stellt eine Herausforderung für das Gesundheitswesen dar, insbesondere ist für Krebs als Erkrankung des Alters eine Zunahme der Erkrankungsfälle zu erwarten.
Auf Grundlage der im Hessischen Krebsregister erfassten Erkrankungshäufigkeiten wurde in Kombination mit öffentlichen Bevölkerungsvorausberechnungen die Entwicklung der Krebsneuerkrankungsfälle bis 2040 prognostiziert.
In Hessen, wie in allen deutschen Bundesländern, geht die klassische Pyramidenform (‚Bevölkerungspyramide‘) der Verteilung der Bevölkerung auf Altersjahre seit vielen Jahrzehnten verloren [1]. Höhere Lebenserwartung und sinkende Geburtenraten führen zu einem zunehmend größer werdenden Anteil älterer Menschen an der Bevölkerung. Einige der geburtenstarken Jahrgänge 1955-1969 (sog. Baby-Boomer, heute 56-70 Jahre alt) sind heute noch die zahlenmäßig stärksten Alterskategorien. Andererseits liegt das mediane Krebs-Neuerkrankungsalter bei ungefähr 70 Jahren. Bevölkerungsvorausberechnungen werden unter anderem erstellt, um auf solche demographischen Entwicklungen frühzeitig reagieren zu können. Die älter werdende Bevölkerung hat großen Einfluss auf wirtschaftliche und soziale Gegebenheiten wie verfügbare Arbeitskräfte und nötige Versorgungskapazitäten im Gesundheitswesen.
Die Bevölkerungsvorausberechnungen basieren hauptsächlich auf drei Parametern. Neben der (Binnen)-Wanderung und Geburtenrate ist die Lebenserwartung besonders relevant für den Anteil älterer Menschen. Von einem Basisjahr ausgehend wird die zukünftige Bevölkerung unter gewissen Annahmen an diese Parameter berechnet. In der koordinierten Bevölkerungsvorausberechnung [1] werden diese Parameter in fünf Szenarien variiert. Die unten gezeigten Ergebnisse verwenden diese Varianten. Für die Geburtenziffer werden Werte zwischen 1,4 und 1,7 angenommen, für die Lebenserwartung bei Männern 78,5-86,4 Jahre, bei Frauen 83,9-90,1 Jahre, für den Wanderungssaldo 180.000-400.000 pro Jahr.
Die Berechnung erwarteter Krebsfälle für eine Untersuchungsbevölkerung mit einer gegebenen Referenzbevölkerung, für die das Krebsgeschehen bekannt ist, ist eine etablierte Kennzahl der Krebsregistrierung [2]. Für die Referenzbevölkerung werden altersspezifische Inzidenzraten berechnet und auf die Altersverteilung der Untersuchungsbevölkerung übertragen. Die altersspezifischen Neuerkrankungsfälle der Untersuchungsbevölkerung werden dann aufsummiert. In der hier vorgestellten Auswertung ist die Referenzbevölkerung die hessische Bevölkerung des Jahres 2022, die Untersuchungsbevölkerung entspricht der vorausberechneten Bevölkerung zukünftiger Jahre [1,3] bis 2040. Für die Neuerkrankungsfälle der Referenzbevölkerung wurden die Daten des Hessischen Krebsregisters für das Diagnosejahr 2022 verwendet (Datenstand: 04.07.2025).
Ergebnisse
Die unten gezeigte Grafik zeigt eine Berechnung erwarteter Krebsneuerkrankungsfälle (ICD-10 C00-C97 ohne C44) in Hessen. Im Drop-down Menu können die Vorausberechnungen für jeweils ein Geschlecht oder für beide Geschlechter gemeinsam ausgewählt werden.
Bevölkerungsvariante | Geburtenrate | Lebenserwartung | Wanderungssaldo |
|---|---|---|---|
Variante 1 (G2L2W1) | moderat | moderat | niedrig |
Variante 2 (G2L2W2) | moderat | moderat | moderat |
Variante 3 (G2L2W3) | moderat | moderat | hoch |
Variante 4 (G1L3W1) | niedrig | hoch | niedrig |
Variante 5 (G3L1W3) | hoch | niedrig | hoch |
Die erwarteten Krebs-Neuerkrankungen liegen für 2040 bei ungefähr 43.000 Fällen, was einer Zunahme um 14% (verglichen mit 2022, ungefähr 37.500 registrierte Neuerkrankungen) entspräche.
Die größte Zunahme an Neuerkrankungsfällen wird für 70-79 Jahre alte Personen (2040: +46%) erwartet.
Auch auf regionaler Ebene hat eine Verschiebung der Altersgruppen Auswirkungen auf das Krebsgeschehen, was sich unterschiedlich auf die einzelnen Regionen auswirken kann. Beispielsweise werden in 2040 im Wetteraukreis ungefähr 23% mehr Neuerkrankungen im Vergleich zum Referenzjahr 2022 erwartet, im Werra-Meissner-Kreis 4% mehr Neuerkrankungen.
Referenzen
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Statistisches Bundesamt. 15. Koordinierte Bevölkerungsvorausberechnung. 2022. Abgerufen am 8.11.2023. URL: https://www.destatis.de/DE/Themen/Gesellschaft-Umwelt/Bevoelkerung/Bevoelkerungsvorausberechnung/begleitheft.html
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Stegmaier, C., Hentschel, S., Hofstädter, F., Katalinic, A., Tillack, A., & Klinkhammer-Schalke, M. (Eds.). (2019). Das Manual der Krebsregistrierung. München: W. Zuckschwerdt Verlag.
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Hessisches Statistisches Landesamt. Regionalisierte Bevölkerungsvorausberechnung für Hessen bis 2070. 2023. Abgerufen am 12.08.2024. URL: https://statistik.hessen.de/unsere-zahlen/bevoelkerung





