Anfragen zu Krebshäufungen

Das Hessische Krebsregister erhält regelmäßig Anfragen aus der Bevölkerung zu beobachteten oder vermuteten lokal erhöhten Krebsrisiken. Wir nehmen diese Anfragen auf und versuchen, im Rahmen unserer Kompetenzen hierauf eine Antwort zu geben.

Erfassung des jeweiligen Sachverhalts

Das Hessische Krebsregister richtet seine Vorgehensweise bei der Beobachtung vermuteter Krebshäufungen an den Empfehlungen des Robert Koch-Instituts (RKI) aus.

Empfehlungen für den Umgang mit Beobachtungen von räumlich-zeitlichen Krankheitsclustern

2009 · 52:239–255, Bundesgesundheitsblatt - Gesundheitsforschung - Gesundheitsschutz 52:239-255

Dementsprechend setzen wir einen mehrstufigen Ablauf um, an dessen Anfang eine strukturierte Erfassung der beobachteten Sachverhalte steht. Diese führt zu einer ersten Einschätzung, ob die beobachteten Krebsfälle und/oder die genannten lokalen Belastungen aus der Umwelt eine gesundheitliche Gefährdung der Bevölkerung bedeuten können. Falls es Indizien für eine mögliche gesundheitliche Gefährdung gibt, werden in weiteren Schritten die Informationen verifiziert und genauere Auswertungen, ggf. in Zusammenarbeit mit weiteren Institutionen, vorgenommen.

Die weiteren Auswertungen können dann mit den Daten des Hessischen Krebsregisters oder auch mit kleinräumigen Erhebungen von Daten zu Neuerkrankungen im lokalen Umfeld geschehen. Datenschutzrechtlich sind dem Krebsregister Beschränkungen in der lokalen Auswertung auferlegt. Bis zum Jahr 2014 konnten wir die Daten nur bis auf die Gemeindeebene hinunter auswerten. Mit der Novellierung des Krebsregistergesetzes wurde jedoch die Möglichkeit geschaffen, die Krebsfälle in einem kleinräumigen Raster von 1000 m x 1000 m zu verorten, was langfristig präzisere Auswertungen zulässt. Dieses Verfahren ist aber an komplexere technische Voraussetzungen und lange Beobachtungszeiträume geknüpft, weshalb es derzeitig noch nicht etabliert ist.

Zufallsbedingte Schwankungen von Krebshäufungen

Wie viele Krebserkrankungen in einem Zeitraum in einem Gebiet entstehen, ist von vielen Faktoren abhängig, die u.a. das Alter, den Lebensstil und Umwelteinflüsse betreffen. Da die Entstehung von Krebs aber sehr komplex und noch nicht genug verstanden ist, sind diese Einflussfaktoren nicht alle identifiziert und können deshalb nicht vollständig in der Untersuchung berücksichtigt werden. Da sich zudem nicht vorhersagen lässt, wie diese Faktoren in einem Zeitraum auf jede einzelne Person des Gebietes wirken, spricht man von einer Zufallsausprägung. Unter statistischen Gesichtspunkten schwankt die beobachtete Zahl an Krebsneuerkrankungen zufallsbedingt, selbst wenn die Bevölkerungszahl, ihre Altersverteilung und die bekannten Risikofaktoren für Krebs unverändert sind. Bei einer geringen Anzahl beobachteter Fälle sind die zu erwartenden Schwankungen sehr groß, bei vielen beobachteten Fälle spielen sie für die Interpretation nur noch eine geringe Rolle. Statistische Verfahren helfen dabei, die möglichen Auswirkungen des Zufalls zu bewerten.

Neben zufälligen Schwankungen treten in der Realität der Krebsregistrierung aber auch erhebungsbedingte Schwankungen auf. Beispielsweise können auf der lokalen Ebene schon wenige nicht registrierte Fälle das Bild verzerren und das Ergebnis einer Auswertung erheblich verändern.

Schwer interpretierbare Krebshäufungen

Unter diesen Voraussetzungen ist es problematisch, eine automatisierte Suche nach auffälligen lokalen Krebshäufungen in Hessen durchzuführen. Bei mehr als 400 Gemeinden und tausenden Ortsteilen, verschiedenen Zeitintervallen und einer Vielzahl von Krebsarten entstehen sehr viele Einzeldaten. Nach den Regeln der Statistik sind darunter auch viele zufällig auffällige Werte, die kein Ausdruck eines erhöhten Krebsrisikos sind. Diese lassen sich nicht einfach von den wirklich aufgrund des Krebsrisikos auffällig erhöhten Zahlen unterscheiden.

Uns stellt sich also die Aufgabe, die vorhandenen Zahlen möglichst genau zu interpretieren, um daraus eine angemessene Bewertung ableiten zu können. Deshalb erfolgt die Bearbeitung dieser Anfragen im Hessischen Krebsregister immer individuell in der Zusammenschau aller verfügbaren Daten und Informationen.

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Dr. Stefan Gawrich<br>Dr. Stefan Gawrich
Epidemiologische Auswertung
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