Epidemiologische Auswertung

Die epidemiologischen Auswertungen beschreiben das Krebsgeschehen bezogen auf die hessische Bevölkerung. Zentrale Größen sind hierbei die Rate der Neuerkrankungen (Inzidenz) und die Sterberate (Mortalität) für verschiedene Krebsarten. Die Auswertungen werden regelmäßig in Berichten „Krebs in Hessen“ veröffentlicht.

Grundlage

Für die epidemiologische Berichterstattung haben sich die deutschen Krebsregister auf Standards geeinigt, um eine Vergleichbarkeit zentraler Kennwerte zu gewährleisten. Beispielsweise verwenden alle deutschen Krebsregister dieselbe Altersstandardisierung, so dass ihre Neuerkrankungsraten vergleichbar werden. Auch ist einheitlich definiert, welche Krebsarten in den Kanon bösartiger Krebserkrankungen aufgenommen wurden. Werden diese Krebsarten gemeinsam ausgewertet, so sind sie durch "Krebs gesamt" bezeichnet.

Darüber hinaus ist die zeitliche Entwicklung der altersstandardisierten Raten von Interesse, vgl. Abb. unten. Tumoren, deren Registrierung nur auf den Informationen eines Leichenschauscheins basieren, fallen unter die Bezeichnung Death certificate only (DCO) und werden in dieser Darstellung ebenfalls berücksichtigt. Die Analyse von Trends ist wichtig zur Qualitätssicherung des Krebsregisters und zur Interpretation und ggf. auch Prognose des Krebsgeschehens. Bei der Interpretation von Zeitverläufen sind unter anderem die Entwicklung der Vollzähligkeit und Einflüsse von Früherkennungsprogrammen zu beachten. So wird die erfolgreiche Einführung eines Früherkennungsprogramms in der ersten Zeit zu einer gehäuften Registrierung kleinerer Tumoren und später zu einem temporären Absinken der Registrierungszahlen führen. Wenn durch das Programm schon Vorstufen gefunden und therapiert werden, können die Neuerkrankungszahlen auch langfristig sinken.

Zeitreihe Krebs gesamt Inzidenz und Mortalität
Altersstandardisierte Sterbe- und Neuerkrankungsrate (pro 100.000, Europastandard) von "Krebs gesamt" im Zeitverlauf nach Geschlecht. Die registrierten Neuerkrankungen schließen hier DCO-Fälle ein. (Datenstand: 03.12.2021)

Während die Todesursachenstatistik des Statistischen Landesamtes Hessen bereits Daten ab 2000 zur Verfügung stellt, setzt die flächendeckende Registrierung von Krebsfällen in Hessen erst 2008 ein. Im Oktober 2014 startete die landesweite klinische Krebsregistrierung.

Die nachfolgende Tabelle zeigt die Neuerkrankungsfälle und Inzidenzraten mit und ohne DCO-Fällen sowie das mediane Erkrankungsalter für "Krebs gesamt" nach Geschlecht für das Diagnosejahr 2018.

Tabelle Inzidenz Krebs gesamt 2018
Neuerkrankungsfälle, medianes Erkrankungsalter und Inzidenzraten für "Krebs gesamt" nach Geschlecht für das Diagnosejahr 2018. (Datenstand: 03.12.2021)
Altersverteilung Inzidenz- & Mortalitäsraten 2018
Neuerkrankungen (links, ohne DCO Fälle) und Sterblichkeit (rechts) in Hessen 2018 nach Altersklassen und Geschlecht. Beide Abbildungen zeigen altersspezifische Raten pro 100.000 Personen. (Datenstand: 03.12.2021)

Die obige Abbildung gibt einen Überblick nach Geschlecht über die Neuerkrankungen an Krebs (links) und die Sterblichkeit (rechts) innerhalb der fünf Jahre umfassenden Altersklassen. Beide Abbildungen zeigen die altersspezifischen Raten pro 100.000 Personen.

Häufigste Krebsarten

Balkendiagramm häufigste Krebsarten 2018, inkl. DCO
Die häufigsten Krebsarten in Hessen 2018 (inklusive DCO-Fälle) - Fallzahlen (Achse) und Anteil in Prozent an "Krebs gesamt" je Geschlecht. (Datenstand: 03.12.2021)

Die obige Abbildung zeigt die häufigsten Krebsarten nach Geschlecht, die mit dem Diagnosejahr 2018 in Hessen registriert wurden. In der nachfolgenden Tabelle sind die altersstandardisierten Inzidenzraten pro 100.000 (Europastandard) dieser Krebsarten nach Geschlecht für das Diagnosejahr 2018 aufgeführt.

Altersstandardisierte Inzidenzraten pro Krebsart 2018
Die häufigsten Krebsarten in Hessen 2018 (inklusive DCO-Fälle) - Altersstandardisierte Inzidenzraten pro 100.000 (Europastandard) nach Geschlecht. (Datenstand: 03.12.2021)

Methodik: Berechnung von Raten

Um die aufgetretenen Krebsfälle in Bezug zur Bevölkerung zu setzen, bezieht man sie auf eine festgelegte Bevölkerungszahl, zumeist auf 100.000 Personen. Der Kennwert "Fallzahl pro 100.000 Personen" wird als rohe Rate bezeichnet. Dieser Wert ist ein Maß für die Krankheitslast in der Bevölkerung und daher für die Patientenversorgung sehr relevant. Auf ein Jahr bezogen entspricht dieser Wert auch in etwa dem allgemeinen Erkrankungsrisiko in der Bevölkerung.

Für eine genauere epidemiologische Auswertung werden Kennwerte benötigt, welche die Altersverteilung in der Bevölkerung berücksichtigen. Die zur Berechnung benötigten Bevölkerungsdaten werden vom Statistischen Landesamt Hessen veröffentlicht. Hierbei ergeben sich die Bevölkerungsdaten aus der Fortschreibung des Bevölkerungsstands in Hessen, die Daten zur Sterblichkeit nach Diagnosen sind der Todesursachenstatistik zu entnehmen.

Altersspezifische Raten

Unter einer altersspezifischen Rate versteht man die in einer Altersklasse vorliegende Rate, wobei häufig fünf Geburtsjahrgänge in einer Altersklasse zusammengefasst werden. In der Regel erfolgt bei epidemiologischen Auswertungen auch noch eine Trennung nach dem Geschlecht. Altersspezifische Neuerkrankungsraten entsprechen in etwa dem Neuerkrankungsrisiko innerhalb eines Jahres in den jeweiligen Altersklassen.

Die altersspezifische Auswertung ist ein wichtiger Parameter zur Beschreibung des Krebsgeschehens, daher ist sie relevant für die Konzeption von Präventions- und Früherkennungsprogrammen und Grundlage der unten geschilderten Altersstandardisierung.

Vorgehen zur Altersstandardisierung

Die Altersstruktur der Neuerkrankungen, also die Verteilung der altersspezifischen Raten ist je nach Krebsart unterschiedlich. Die meisten Krebsarten treten vermehrt im relativ hohen Lebensalter auf, es gibt aber auch seltenere Krebsarten, die fast ausschließlich in den ersten Lebensjahren vorkommen. Beim Vergleich des Krebsgeschehens in verschiedenen Regionen ist deshalb die Demographie von Bedeutung. Je älter die Bevölkerung, desto mehr Personen sind in Altersgruppen mit höherem Krebsrisiko und desto mehr Krebsfälle sind bei vielen Krebsarten zu erwarten. Auch bei der Beobachtung des Krebsgeschehens im Zeitverlauf tritt ein solcher Effekt auf, wenn sich die Altersstruktur der Bevölkerung verschiebt.

Den demographischen Effekt möchte man bei der Auswertung oft herausrechnen um die Zahlen hinsichtlich anderer Faktoren interpretieren zu können. Dies ist durch sogenannte altersstandardisierte Raten möglich.

Eine Altersstandardisierung ist erforderlich, um das Erkrankungs- oder Sterblichkeitsgeschehen verschiedener Bevölkerungsgruppen mit abweichender Altersstruktur (beispielsweise Wohnbevölkerung aus verschiedenen Regionen oder zeitlich veränderte Altersstruktur in derselben Bevölkerungsgruppe) vergleichbar und hinsichtlich anderer Einflussfaktoren interpretierbar zu machen. Die Altersstandardisierung verwendet eine Modell-Altersverteilung, bei der 100.000 Personen nach realem Vorbild oder nach einer fiktiven Verteilung auf Altersklassen (häufig Zusammenfassung von fünf Geburtsjahrgängen) verteilt werden. Die Modell-Bevölkerungszahl jeder Altersklasse wird mit der altersspezifischen Erkrankungs- oder Sterberate, d.h. der in der jeweiligen Altersklasse vorliegenden Rate multipliziert. Über alle Altersklassen summiert ergibt sich die altersstandardisierte Rate pro 100.000 Personen. Diese Art der Altersstandardisierung bezeichnet man als „direkt“. Alle deutschen Krebsregister publizieren diese Rate basierend auf derselben Modell-Bevölkerung (sogenannte alte Europa-Bevölkerung), wodurch ein Vergleich ermöglicht wird.

Veröffentlichungen und Downloads

Ausführliche Informationen zum Krebsgeschehen in Hessen bis zum Diagnosejahr 2016 können den Berichten „Krebs in Hessen“ entnommen werden. Diese Berichte beginnen mit einleitenden Informationen zum Krebsregister und zu den Daten und Auswertungsmethoden. Im Datenkapitel „Krebs gesamt“ sind Auswertungen über alle bösartigen Krebserkrankungen zusammengefasst. In 24 Kapiteln wird das Auftreten einzelner Krebsarten oder Gruppen ähnlicher Krebsarten detailliert beschrieben. Das abschließende Kapitel „Krebs bei Kindern“ zeigt eine Sonderauswertung des Deutschen Kinderkrebsregisters für das Land Hessen. Ein Anhang enthält zusätzliche Informationen wie beispielsweise das Hessische Krebsregistergesetz.

Daten zur Inzidenz in Hessen für die aktuellsten Diagnosejahre werden als XLSX-Datei zur Verfügung gestellt. Die XLSX-Datei beinhaltet Neuerkrankungszahlen, Medianes Erkrankungsalter sowie rohe, altersspezifische und altersstandardisierte Inzidenzraten (Europastandard) für Krebs gesamt, Darmkrebs, Lungenkrebs, Brustkrebs und Prostatakrebs für die Diagnosejahre 2017 und 2018.

Inzidenz in Hessen für das Diagnosejahr 2017

03.12.2021, Hessisches Krebsregister
Inzidenz Hessen 2017 XLSX, 0.1 MB

Inzidenz in Hessen für das Diagnosejahr 2018

03.12.2021, Hessisches Krebsregister
Inzidenz Hessen 2018 XLSX, 0.1 MB

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Isabelle Finke<br>

Isabelle Finke
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