§ 65c Plattform: Beschlüsse zur Tumordokumentation

Die Krebsregister aller Bundesländer haben sich in der § 65c Plattform zusammengeschlossen, um u. a. ein standardisiertes Vorgehen bei der Tumordokumentation herzustellen. Auf dieser Seite informieren wir Sie über die Hintergründe der Plattform sowie deren Empfehlungen und Beschlüsse zur Tumordokumentation.

Aufgaben der § 65c Plattform

Um die praktische Umsetzung des Krebsfrüherkennungs- und registergesetzes zu unterstützen, haben die klinischen Krebsregister aller Bundesländer die § 65c Plattform gegründet. Der Name der Plattform resultiert aus § 65c des Sozialgesetzbuches V. Dieses Gesetz regelt u. a. die Aufgaben, Strukturen und Finanzierung der Klinischen Krebsregister in Deutschland. Den vollständigen Gesetzestext können Sie hier aufrufen:

Die § 65c Plattform diskutiert gemeinsam offene Fragen, setzt nationale Standards und schafft Synergien. Im Rahmen der Tumordokumentation haben die Bundesländer einige Arbeitsgruppen eingerichtet, um medizinische Fragen zu klären, technische Probleme zu lösen und eine einheitliche Dokumentation aller Krebsregister sicherzustellen.

Einbindung der hessischen Meldenden

Einige Arbeitsgruppen legen Empfehlungen und Beschlüsse fest, wie die Tumordokumentation von den Krebsregistern und demzufolge auch von den jeweiligen Meldenden der Bundesländer umzusetzen ist.

Das Hessische Krebsregister arbeitet aktiv in den Arbeitsgruppen mit. Wir möchten zukünftig Sie, die hessischen Meldenden und ihre Tumordokumentierenden, verstärkt in die Entscheidungsprozesse einbinden und gemeinsam mit Ihnen eine Entscheidung für unser Votum in den Arbeitsgruppen finden.

Interesse mitzugestalten?

Wenn Sie Ihre praktischen Erfahrungen aus der Tumordokumentation einbringen möchten, freuen wir uns über Ihre Kontaktaufnahme.

Auf dieser Seite erhalten Sie eine Übersicht der einzelnen Themen mit Informationen zu deren Bearbeitungsstatus. Sobald neue Themen und Fragestellungen in den Arbeitsgruppen vorliegen, welche durch die Bundesländer bearbeitet werden sollen, erhalten Sie eine E-Mail mit der Bitte um Mitteilung Ihrer Meinung.

Bitte kontaktieren Sie uns bei Interesse, um die Details zu klären.

Themen der Arbeitsgruppen

1. Aktuelle Bearbeitung in Hessen

Diese Themen stehen derzeit in Hessen zur Diskussion und Entscheidungsfindung. Sofern Sie sich einbringen möchten, besteht dazu jetzt die Möglichkeit!

Derzeit liegen keine Themen zur Bearbeitung vor!

2. Abgeschlossene Bearbeitung in Hessen

Bei den Themen in diesem Bereich wurde ein Konsens für das hessische Votum gefunden, daher ist eine weitere Stellungnahme nicht mehr möglich.

Kodierung der Lokalisation von epithelialen Thymustumoren

Beschreibung:

In der 8. Auflage des TNM sind epitheliale Tumoren des Thymus enthalten. Aktuell werden Thymustumore häufig mit der Lokalisation C38.1 (vorderes Mediastinum) oder C38.3 (Mediastinum o.n.A.) gemeldet, obwohl laut TNM 8 explizit die Lokalisation C37.9 (Thymus) aufzuführen ist.

Beschluss der § 65c Plattform:

Abstimmung vorgesehen für den 25.06.2019

3. Beschlüsse der § 65c Plattform

Die § 65c Plattform hat zu folgenden Themen Empfehlungen und Beschlüsse getroffen:

NEU: Meldepflicht für Hochintensiver Fokussierter Ultraschall-Therapie (HIFU) bei Prostatakarzinom

Beschreibung:

Ist eine Hochintensive Fokussierte Ultraschall-Therapie (HIFU) bei Prostatakarzinom (5-602.1 Transrektale und perkutane Destruktion von Prostatagewebe: durch Ultraschall) meldepflichtig?

Beschluss der § 65c Plattform vom 22.05.2019:

Wird eine HIFU bei (kleinem) Prostatakarzinom wegen drohendem Harnverhalt bei Hyperplasie eingesetzt, ist sie nicht tumorspezifisch, also nicht meldepflichtig. Meldepflicht besteht bei Durchführung als tumorspezifische Therapie.

NEU: Dokumentation retroperitonealer Metastasen

Beschreibung:

Welcher Metastasencode ist für die Lokalisation "Retroperitoneum" zu verwenden?

Beschluss der § 65c Plattform vom 22.05.2019:

Fernmetastasen im Retroperitoneum (ICD-O-3 C48.0) werden lt. TNM (auch in der aktuellen 8. Auflage) als OTH kodiert, da diese Lokalisation in der Auflistung der spezifizierten Ausprägungen nicht genannt wird.

Das Peritoneum (C48.1, C48.2) ist eine eigenständige anatomische Lokalisation.

NEU: Dokumentation von Optune TTFields

Beschreibung:

Wie soll die Therapiemethode Optune TTFields bei rezidivierenden Glioblastomen nach ADT/GEKID-Datensatz erfasst werden?

Beschluss der § 65c Plattform vom 22.05.2019:

Meldung als Systemische Therapie mit Therapieart „SO“

  • mit Zytostatikum Temozolomid im Substanzfeld und
  • TTFields im Protokollfeld.

Meldung einer lokalen medikamentösen Tumortherapie

Beschreibung:

Der einheitliche onkologische Basisdatensatz sieht für die Erfassung von Therapien drei Arten von Therapiemeldungen vor: Operation, Strahlentherapie und Systemische Therapie. Medikamentöse Tumortherapien sind auch bei lokaler Applikation meldepflichtig. Beispiel: Intravesikale Instillation mit BCG oder Mitomycin in der Harnblase (C67).

Beschluss der § 65c Plattform am 16.06.2019:

  1. Die lokale Applikation einer medikamentösen Therapie soll über die Datenfelder der systemischen Therapie gemeldet werden. Der applizierte Wirkstoff soll im Feld “Substanz“ und die
    entsprechende Therapieart im Feld “Therapieart“ [z. B. für Mitomycin “CH“ (Chemotherapie) und für BCG „IM“ (Immuntherapie)] angegeben werden.
  2. Die Information zur Behandlung ist bei Therapiebeginn und -ende sowie bei Substanzwechsel zu dokumentieren oder zu melden.
  3. Die Art der Applikation soll nicht in das Feld „Therapieart Anwendung“, sondern im Substanzfeld vermerkt werden, z. B. „Substanz X, lokal".

Dokumentation Meningeosis neoplastica

Beschreibung:

Eine Meningeosis neoplastica ist im eigentlichen Sinne keine Hirnmetastase, wird aber oft solche gemeldet und/oder erfasst. Ein einheitliches Vorgehen wäre wünschenswert.

Beschluss der § 65c Plattform am 22.05.2019:

Eine Meningeosis neoplastica ist in der M-Kategorie des TNM mit „OTH“ zu dokumentieren.

Zometa (Zoledonsäure) als Tumortherapie erfassen?

Beschreibung:

Brustkrebspatientinnen bekommen häufig postoperativ halbjährlich Zometa als Infusion. In den S3 Leitlinien steht allerdings, dass die Biophosphonate u.a. auch hierzu eingesetzt werden: Zomenta wird in erster Linie zur Prophylaxe der krebsinduzierten Osteoporose eingesetzt, dient also nicht in erster Linie zur Behandlung des Tumors. Adjuvante Therapie des primären Mammakarzinoms zur Verbesserung des knochenmetastasenfreien und des Gesamtüberlebens. Handelt es sich bei Zometa um eine meldepflichtige systemische Therapie?

Beschluss der § 65c Plattform am 22.05.2019:

In den Krebsregistern sollen Meldungen zu systemischen Therapien mit Bisphophonaten als Wirksubstanz bei Vorliegen einer tumorspezifischen Therapieindikation gemeldet bzw. erfasst werden.

Kodierung von Histologien nach aktueller WHO Klassifikation

Beschreibung:

Die Morphologie-Kodes im ICD-O-3 weichen zum Teil von denen der aktuellen WHO Klassifikation ab. Nach den Vorgaben der S3-Leitlinien sind Histologien nach der aktuell gültigen WHO Klassifikation zu kodieren (WHO Classification of Tumours, WHO Press, "Blue Books“).

Beschluss der § 65c Plattform:

Abstimmung am 05.03.2019 führte zu keinem Ergebnis (50/50). Der Umgang mit dieser Fragestellung muss vorerst in den einzelnen Registern im Rahmen der gesetzlichen Vorgaben vor Ort entschieden werden.

Beschluss des Hessischen Krebsregisters am 05.03.2019:

Die Vertrauensstelle kodiert die Morphologie-Kodes nach der aktuellen WHO-Klassifikation.

Meldung von Nachresektionen

Beschreibung:

Es fällt auf, dass viele Einrichtungen oft nur die letzte OP bzw. Nachresektion an das Register übermitteln. Für Auswertungen ist es jedoch wichtig zu wissen, welcher Resektionsstatus in der jeweiligen OP erreicht wurde.

Beispiel: Beim Malignen Melanom in der ersten OP wird ein R1 erreicht und in der Nachresektion R0. Dies ist relevant für Auswertungen. Es reicht nicht aus, nur eine OP-Meldung mit R0 zu erhalten. Da Nachresektionen gewisse Risiken haben und dies in einzelnen Einrichtungen vermehrt vorkommen sollte, so kann dies bei Auswertungen berücksichtigt werden.

Beschluss der § 65c Plattform am 05.03.2019:

  1. Situaton im Rahmen derselben OP (Schnellschnittergebnis):
    Die Meldung der OP mit Nachresektion im Rahmen eines Eingriffes ist als eine OP zu melden.
  2. Situation im Rahmen eines stationären Aufenhalts:
    Ist nach tumorresezierender OP eine Zweit-OP zur Nachresektion erforderlich, sind beide Eingriffe getrennt mit jeweils einer Therapiemeldung zu melden.
  3. Situation in einem zeitlichen Abstand zu der primären Operation (weitere stationäre Aufenhalte):
    Jede OP ist als separate Therapiemeldung mit Ergebnis zu melden.

Therapie mit unbekanntem Wirkstoff im Rahmen einer Studie

Beschreibung:

Das Feld "Substanz" im ADT/GEKID-Datensatz ist als Freitextfeld definiert. In diesem Feld soll der Name der Wirksubstanz dokumentiert werden. Welche Substanz ist anzugeben, wenn die Patientin bzw. der Patient im Rahmen einer Studie behandelt wird und dem meldepflichtigen Arzt nicht bekannt ist, welches Medikament gegeben wird?

Beschluss der § 65c Plattform am 05.03.2019:

  1. Situation: Studienbezeichnung bekannt
    Feldname ADT/GEKID-Basisdatensatz: Protokoll
    Eintrag: Studienname(n) und falls bekannt Studiennummer (z. B. NCT1234, DKR 1234, etc.)
  2. Situation: Studienmedikament nicht bekannt
    Feldname ADT/GEKID-Basisdatensatz: Substanz
    Eintrag: "Studienmedikament"
  3. Situation: Studienmedikament bekannt
    Feldname ADT/GEKID-Basisdatensatz: Substanz
    Eintrag: "Studienmedikament" bzw. "Prüfmedikament-Nummer"
  4. Situation: Placebogabe bekannt
    Feldname ADT/GEKID-Basisdatensatz: Substanz
    Eintrag: "Placebo"
  5. Situation: Unbekannt, ob Studienmedikament oder Placebo
    Feldname ADT/GEKID-Basisdatensatz: Substanz
    Eintrag: "Studienmedikament"

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Carolin Luh<br>Carolin Luh
Teamleiterin Medizinische Dokumentation
Telefon: 069 5660876-40
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