Dokumentation der Tumortherapie

Auf dieser Seite finden Sie einige Empfehlungen zur Dokumentation von Operationen, Strahlentherapien und systemischen Therapien.

Tumortherapie

Für die Dokumentation sind vor allem die Therapien von Interesse, die die Tumorlast reduzieren oder den Tumor gar vollständig entfernen bzw. zerstören. Diese Therapien bezeichnen wir als tumortherapeutisch.

Welche Behandlungen zählen nicht zu den Tumortherapien?

Therapien, die zur Behandlung von Nebenwirkungen der Tumortherapie oder zur Behandlung von Symptomen der Tumorerkrankung eingeleitet werden, zählen nicht zu den Tumortherapien.

Nicht-tumortherapeutische Behandlungsformen

Zu den nicht-tumortherapeutischen Behandlungsformen gehören:

  • Untersuchungen und Bildgebungen, die lediglich der Diagnostik bzw. Histologie-Gewinnung (ohne Tumor-Debulking) dienen, wie z. B. Narkoseuntersuchung, Panendoskopie, Bronchoskopie (+/- TBNA), ÖGD, Zystoskopie, Rektoskopie, Koloskopie, (Fein-)nadelbiospie, Stanzbiopsie (z. B. bei Mammakarzinom, Prostatakarzinom), perkutane Biopsie aus z. B. einem Hirntumor oder einem Lymphknoten ohne Entfernung von Tumorgewebe, Inzision, diagnostische Laparoskopie/Laparotomie ohne weitere Maßnahmen (z. B. ohne LK-Sampling, intraabdominelle Chemo), fraktionierte Abrasio, Pleurapunktion, Aszitespunktion usw.
  • Maßnahmen, die alleinig ergänzend für die Tumortherapie durchgeführt werden oder zur Sicherung der Therapie dienen, wie z. B. Portimplantation oder -explantation, PEG-Anlage, AP-Anlage ohne weitere Operation am Tumor oder Metastasen, Stent-Einlage z. B. in den Gallenwegen, Shunt-Anlagen, Tracheotomie ohne weitere Operation an Tumor oder Metastasen, Bypass-Operation, z. B. bei Pankreaskarzinomen, Nephrostoma-Anlage, Harnleiterschienung, Pleurodese, Schrittmacherverlagerung.
  • Medikamentöse Therapien wie Schmerztherapie, Antibiotikagabe, Bluttransfusionen zur Symptomlinderung, Methadon, Begleitmedikation für z. B. Systemtherapien, Strahlentherapie.
  • orthopädische/unfallchirurgische Operationen, die lediglich der Stabilisierung/Versorgung beispielsweise einer Fraktur/-gefahr dienen, wie z. B. TEP, Vertebro- oder Kyphoplastie, ggf. auch mit Biopsie (aber ohne Tumordebulking/Tumorresektion).
  • Mammae-Bestrahlung beim Mann aufgrund antiandrogener Therapie bei einem Prostatakarzinom.
  • Blutungsstillende Maßnahmen, wie z. B. reine hämostyptische Bestrahlungen, Gefäßembolisationen mit dem alleinigen Ziel, Blutungen zu stoppen, Tamponaden.
  • Eingriffe/Maßnahmen für eine mögliche spätere Fertilisationsbehandlung, wie z. B. Konservierung von Ovargewebe, Sperma.
  • Künstliche Einleitung von Wechseljahren.
  • Folgeoperationen, die keine Tumortherapie sind, wie z. B. AP-Rückverlagerung, Versorgung von Lymphfisteln, kosmetische Operationen (z. B. Mamma-Wiederaufbau)

Dokumentation von Operationen

1. Nachresektionen

Die Dokumentation von Nachresektionen ist wesentlich, um das Ergebnis der operativen Therapie und den Resektionsstatus zum jeweiligen Zeitpunkt beurteilen zu können. Die Meldung von Nachresektionen an uns sollte somit nicht ausgelassen werden.

Dokumentationsempfehlung:

  1. Situation im Rahmen derselben Operation (Schnellschnittergebnis):
    Die Meldung der Operation mit Nachresektion im Rahmen eines Eingriffes ist als eine Operation zu melden.
  2. Situation im Rahmen eines stationären Aufenthalts:
    Ist nach einer tumorresezierenden Operation eine Zweitoperation zur Nachresektion erforderlich, sind beide Eingriffe getrennt mit jeweils einer Therapiemeldung zu melden.
  3. Situation in einem zeitlichen Abstand zu der primären Operation (weitere stationäre Aufenthalte):
    Jede Operation ist als separate Therapiemeldung mit Ergebnis zu melden.

Vergütungsanspruch:

Für die Meldung einer Nachresektion besteht nicht automatisch ein Vergütungsanspruch.

  • Nachresektionen nach einer Hauptoperation innerhalb von 6 Wochen: kein Vergütungsanspruch
  • Nachresektionen nach einer Hauptoperation nach 6 Wochen: Vergütungsanspruch

2. Intravesikale Instillationen der Harnblase

Intravesikale Instilliationen der Harnblase zählen zu lokalen medikamentösen Tumortherapien und sind daher meldepflichtig.

Dokumentationsempfehlung:

  • Meldungsart:
    Systemische Therapie
  • Therapieart:
    IM (Immuntherapie) bei Bacillus Calmette-Guérin (BCG)
    CH (Chemotherapie) bei Mitomycin
  • Häufigkeit:
    Je eine Meldung bei Therapiebeginn, Therapieende und Substanzwechsel

3. Mikrowellen- und Radiofrequenzablation

Die Mikrowellen- oder Radiofrequenzablation ist als Operation zu dokumentieren. Ein lokaler Residualstatus wird nicht erwartet.

Beispiele:

  • Mikrowellenablation der Leber:
    OPS 5-501.5: Lokale Exzision und Destruktion von erkranktem Gewebe der Leber, Destruktion, lokal, durch hochfrequenzinduzierte Thermotherapie
  • Radiofrequenzablation des Magens:
    OPS 5-433.45: Lokale Exzision von erkranktem Gewebe des Magens, Destruktion, laparoskopisch, Radiofrequenzablation

4. OPS-Code mit Angabe des Residualstatus

Nicht bei jeder tumortherapeutischen Operation ist ein lokaler Residualstatus zu erwarten. Daher stellen wir Ihnen eine Liste der § 65c-Plattform zur Verfügung, aus welcher Sie den OPS-Code und die Notwendigkeit eines Residualstatus entnehmen können.

Die Tabelle enthält folgende Spalten:

  • ICD-O-3 (Lokalisation)
  • 2018 (gültig im OPS-Katalog Version 2018)
  • 2019 (gültig im OPS-Katalog Version 2019)
  • 2020 (gültig im OPS-Katalog Version 2020)
  • Entität (Lokalisation)
  • OPS (OPS-Code)
  • Text (zum OPS-Code)
  • R-KLA (1=R-Klassifikation wird erwartet, 0=wird nicht erwartet)

Excel-Tabelle: OPS-Code mit Angabe des Residualstatus (Stand 17.03.2020)

PDF-Datei: OPS-Code mit Angabe des Residualstatus (Stand 17.03.2020)

Dokumentation der Strahlentherapie/Nuklearmedizin

1. Nuklearmedizin

Nuklearmedizinische Tumortherapien sind als Strahlentherapie zu dokumentieren:

  • Unter der Applikationsart „M“ für „Metabolische Therapie“ sind die Radiojodtherapie, sowie z.B. die Therapien mit Quadramet® (Samarium-153-EDTMP), Xofigo® (Radium-223-dichlorid), Metastron® (Strontium-89-Chlorid), Zevalin® (Yttrium-90-markiertes Ibritumomab-Tiuxetan) und Lutetium-177-PSMA anzugeben.
  • Unter der Applikationsart „MSIRT“ für „Metabolische Therapie - Selektive Interne Radio-Therapie“ sind die selektiven intraarteriellen Radiotherapien (z.B. SIR-Spheres®, TheraSphere® (Yttrium-90)) zu dokumentieren.
  • Unter der Applikationsart „MPRRT“ für „Metabolische Therapie – Peptid-Radio-Rezeptor-Therapie“ sind die Peptid-Rezeptor-Radionuklid-Therapien (z.B. Lutetium-177-Dotatoc/Dotatate oder Yttrium-90-Dotatoc/Dotatate) zu dokumentieren.
  • Als Zielgebiet ist die Lokalisation anzugeben, an die sich die Therapie richtet. Sollen mehrere Zielgebiete behandelt werden, sind alle Zielgebiete zu nennen.
  • Bitte geben Sie die Einzel- und Gesamtdosen in den Einheiten GBq, MBq oder kBq an.
  • Bei dem Beginn- und Enddatum geben Sie das entsprechende Leistungsdatum an, also den Tag der jeweiligen Applikation. Bitte tragen Sie keinen Zeitraum in Ihrer Meldung ein.
  • Für die nuklearmedizinische Therapie gelten dieselben Mindestanforderungen wie für die Strahlentherapie. Diese finden Sie auf der Seite der Mindestanforderungen.

2. Zielgebietsschlüssel

Für den Meldeanlass Strahlentherapie liegen definierte Zielgebiete vor, die bei der Meldung an das Krebsregister zu verwenden sind. Nähere Informationen finden Sie auf der Seite "Zielgebietsschlüssel".

3. Prophylaktische Ganzhirnbestrahlungen

Bei einigen Tumorerkrankungen (kleinzelliges Bronchialkarzinom oder ALL) werden prophylaktische Ganzhirnbestrahlungen durchgeführt, um einem möglichen Tumorbefall des Gehirns vorzubeugen. Dieser Vorgang wird über den Meldeanlass Strahlentherapie (Beginn und Ende) gemeldet. Es gelten die entsprechenden Mindestanforderungen.

Beispiel:
Bei einer ALL wird eine palliative perkutane Ganzhirnbestrahlung vom 20.02.17 – 15.03.17 mit einer Gesamtdosis von 24 Gy (2 Gy Einzeldosis) durchgeführt. Die Bestrahlung wird regulär beendet. Nebenwirkungen sind nicht aufgetreten.

Strahlentherapie Beginn

  • Beginn: 20.02.2017
  • Zielgebiet: Ganzhirn
  • Zielgebiet-Seite: beidseits
  • Stellung zur OP: ohne Bezug zur operativen Therapie
  • Intention: palliativ
  • Applikationsart: PRCN
  • Einzeldosis: 2 Gy

Strahlentherapie Ende

  • Ende: 15.03.2017
  • Zielgebiet: Ganzhirn
  • Zielgebiet-Seite: beidseits
  • Stellung zur OP: ohne Bezug zur operativen Therapie
  • Intention: palliativ
  • Applikationsart: PRCN
  • Gesamtdosis: 24 Gy
  • Beendigungsgrund: reguläres Ende
  • Nebenwirkungen der Strahlentherapie: keine

Dokumentation von systemischen Therapien

1. Substanzen und Protokolle

Wir stellen Ihnen Übersichten zur Verfügung, die eine Zuordnung von Substanzen zu Protokollen sowie von Substanzen zu Therapieart beinhalten.

Bei der Meldung an das Hessische Krebsregister können der Handelsname des Medikaments und/oder der Wirkstoff angegeben werden.

2. Studien

Dokumentationsempfehlung:

  1. Situation: Studienbezeichnung bekannt
    Feldname onkologischer Basisdatensatz: Protokoll
    Eintrag: Studienname(n) und falls bekannt Studiennummer (z. B. NCT1234, DKR 1234, etc.)
  2. Situation: Studienmedikament nicht bekannt
    Feldname onkologischer Basisdatensatz: Substanz
    Eintrag: "Studienmedikament"
  3. Situation: Studienmedikament bekannt
    Feldname onkologischer Basisdatensatz: Substanz
    Eintrag: "Studienmedikament"
  4. Situation: Placebogabe bekannt
    Feldname onkologischer Basisdatensatz: Substanz
    Eintrag: "Placebo"
  5. Situation: Unbekannt, ob Studienmedikament oder Placebo
    Feldname onkologischer Basisdatensatz: Substanz
    Eintrag: "Studienmedikament"

3. Stammzelltransplantation

Hinweise zur Dokumentation finden Sie auf der Seite "Hämatologische Erkrankungen" unter Dokumentation einer Stammzelltransplantation.

4. Dokumentation einer CAR-T-Zell-Therapie

Die CAR-T-Zell-Therapie (Chimeric Antigen Receptor T-Zellen) ist eine Immuntherapie, bei der der/dem Krebsbetroffenen T- Lymphocyten entnommen werden, die außerhalb des Körpers mit einem viralen Vektor genetisch so verändert werden, dass sie die Tumorzellen erkennen und abtöten können. Sie werden außerhalb des Körpers in einer Zellkultur vermehrt und dem Patienten nach einer lymphodepletierenden Chemotherapie re-infundiert.

Die Chemotherapie zur Hemmung der Tumorzellen (Lymphodepletion) und die Infusion der CAR-T-Zellen werden in zwei separaten Meldungen (Meldeanlass „Systemische Therapie“) dokumentiert. Für die Dokumentation der CAR-T-Zell-Therapie gelten die entsprechenden Mindestanforderungen.

Bei der Angabe ist folgendes zu beachten:

  • Therapieart: IM
  • Zeitraum: Beginn und Ende der Infusion der CAR-T-Zellen
  • Protokoll: CAR-T-Zell-Therapie
  • Substanz: je nach verabreichter Substanz

Abwartende Verfahren

1. Active Surveillance

Die abwartende therapeutische Maßnahme Active Surveillance ist meldepflichtig und als systemische Therapie zu melden. Es kann der Therapiebeginn und das Therapieende gemeldet werden.

Dokumentationsempfehlung:

Therapiebeginn

  • Beginn:
    tt.mm.jjjj
  • Therapietyp:
    AS = Active Surveillance
  • Stellung zur Operation:
    O = ohne Bezug zu einer operativen Therapie
  • Intention:
    K = kurativ
  • Protokoll:
    Freitext, z. B. Active Surveillance oder AS

Therapieende

  • Beginn:
    wenn noch nicht gemeldet, wie folgt: tt.mm.jjjj
  • Ende:
    tt.mm.jjjj
  • Therapietyp:
    AS = Active Surveillance
  • Stellung zur Operation:
    O = ohne Bezug zu einer operativen Therapie:
  • Intention:
    K = kurativ
  • Protokoll:
    Freitext, z. B. Active Surveillance oder AS
  • Systemische Therapie Ende Grund:
    je nach Sachverhalt

2. Best Supportive Care

Die abwartende therapeutische Maßnahme Best Supportive Care ist meldepflichtig und als systemische Therapie zu melden. Es kann der Therapiebeginn und das Therapieende gemeldet werden.

Dokumentationsempfehlung:

Therapiebeginn

  • Beginn:
    tt.mm.jjjj
  • Therapietyp:
    SO = Sonstiges
  • Stellung zur Operation:
    je nach Sachverhalt
  • Intention:
    P = palliativ
  • Protokoll:
    Freitext, z. B. Best Supportive Care oder BSC

Therapieende

  • Beginn:
    wenn noch nicht gemeldet, wie folgt: tt.mm.jjjj
  • Ende:
    tt.mm.jjjj
  • Therapietyp:
    SO = Sonstiges
  • Stellung zur Operation:
    je nach Sachverhalt
  • Intention:
    P = palliativ
  • Protokoll:
    Freitext, z. B. Best Supportive Care oder BSC
  • Systemische Therapie Ende Grund:
    je nach Sachverhalt

3. Wait and See

Die abwartende therapeutische Maßnahme Wait and See ist meldepflichtig und als systemische Therapie zu melden. Es kann der Therapiebeginn und das Therapieende gemeldet werden.

Dokumentationsempfehlung:

Therapiebeginn

  • Beginn:
    tt.mm.jjjj
  • Therapietyp:
    WS = Wait and See
  • Stellung zur Operation:
    je nach Sachverhalt
  • Intention:
    je nach Sachverhalt
  • Protokoll:
    Freitext, z. B. Wait and See oder WS

Therapieende

  • Beginn:
    wenn noch nicht gemeldet, wie folgt: tt.mm.jjjj
  • Ende:
    tt.mm.jjjj
  • Therapietyp:
    WS = Wait and See
  • Stellung zur Operation:
    je nach Sachverhalt
  • Intention:
    je nach Sachverhalt
  • Protokoll:
    Freitext, z. B. Wait and See oder WS
  • Systemische Therapie Ende Grund:
    je nach Sachverhalt

Lokale Therapien

1. Optune TTFields

Eine Optune-Therapie ist als „Systemische Therapie“ mit Therapieart „SO“

  • mit "Zytostatikum Temozolomid" im Substanzfeld und
  • "TTFields" im Protokollfeld

zu melden.

2. Meldung einer lokalen medikamentösen Tumortherapie

  1. Die lokale Applikation einer medikamentösen Therapie ist über den Meldeanlass „Systemische Therapie“ zu melden. Der applizierte Wirkstoff ist im Feld “Substanz“ und die entsprechende Therapieart im Feld “Therapieart“ anzugeben. Beispiel: Mitomycin “CH“ (Chemotherapie) und für BCG „IM“ (Immuntherapie)

  2. Die Information zur Behandlung ist bei Therapiebeginn und -ende sowie bei Substanzwechsel zu melden.

  3. Die Art der Applikation ist nicht im Feld „Therapieart Anwendung“, sondern im Substanzfeld (z. B. „Substanz X, lokal“) zu vermerken.

3. Transarterielle Chemoembolisation (TACE)

Da die Behandlung mit einer transarteriellen Chemoembolisation an einem Tag durchgeführt wird und eine Wiederholung nach vier bis sechs Wochen stattfindet, ist für jede Behandlung eine "Systemische Therapie" mit Behandlungsende zu melden.

Dokumentationsempfehlung:

  • Therapiebeginn und –ende:
    tt.mm.jjjj
  • Therapietyp:
    CH
  • Stellung zur OP:
    je nach Sachverhalt
  • Intention:
    P = palliativ
  • Protokoll:
    TACE
  • Substanz:
    je nach Medikament
  • Ende Grund:
    je nach Sachverhalt

Infohotline der Tumordokumentation

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069 5660876-40Mo. - Do. von 8 bis 16 Uhr;
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