Hessisches Krebsregister bei der Arbeitsgruppe Tumordokumentation

Im Rahmen des Hessischen Onkologiekonzeptes fand am 27. Februar 2020 im Universitätsklinikum Frankfurt eine zweistündige Sitzung der Arbeitsgruppe Tumordokumentation statt. Dort informierte das Hessische Krebsregister die Teilnehmenden über bestehende Prozesse, aktuelle Projekte und geplante Vorhaben im Jahr 2020.

Sitzung der Arbeitsgruppe Tumordokumentation

In der ersten Sitzung der AG Tumordokumentation im Jahr 2020 hatte das Hessische Krebsregister die Möglichkeit, den ersten Teil der Veranstaltung mit Inhalten zur klinisch-epidemiologischen Krebsregistrierung zu füllen.

Der zweite Teil der Veranstaltung diente den Teilnehmenden zur gemeinsamen Klärung von Fragen, welche bei der Tumordokumentation in den hessischen Einrichtungen aufkamen. Diese bietet eine zentrale Plattform, um gemeinsam die Dokumentation in den verschiedenen Einrichtungen und im Hessischen Krebsregister zu harmonisieren.

Hintergrund

Um die wohnortnahe medizinische Versorgung von Krebspatientinnen und -patienten zu verbessern, trat 2010 die Neufassung des Hessischen Onkologiekonzeptes in Kraft. In diesem Rahmen wurde die Arbeitsgruppe Tumordokumentation ins Leben gerufen, in der sich halbjährlich Dokumentierende und andere Interessierte zusammenfinden, um sich über Fragen aus der täglichen Praxis auszutauschen und Fachthemen der Tumordokumentation zu diskutieren. Auch das Hessische Krebsregister ist hier ständiger Teilnehmer.

Informationen des Hessischen Krebsregisters

In dem Beitrag des Hessischen Krebsregisters im ersten Teil der Veranstaltung standen vier Themen im Vordergrund:

1. Regionale Koordinatoren

Zu den größeren Aufgaben des Hessischen Krebsregisters im Jahr 2020 gehört das Vorhaben Regionale Koordinatoren. In allen Versorgungsgebieten in Hessen (Darmstadt, Fulda-Bad Hersfeld, Frankfurt-Offenbach, Gießen-Marburg, Kassel und Wiesbaden-Limburg) soll ein/e Koordinator/in vor Ort das Krebsregister beim Aufbau der flächendeckenden klinisch-epidemiologischen Krebsregistrierung unterstützen, und zwar durch die:

  • Mitarbeit bei der Anbindung onkologisch tätiger Ärztinnen und Ärzte an das Hessische Krebsregister
  • Unterstützung bei der Etablierung der Meldungsübermittlung an das Hessische Krebsregister
  • Schulung in der Tumordokumentation, um die Meldungsqualität zu verbessern und die Meldungsverarbeitung im Hessischen Krebsregister zu beschleunigen

Die Vertrauensstelle organisiert dieses Vorhaben und etabliert derzeit mit den ersten Kliniken die notwendigen Strukturen in den jeweiligen Versorgungsgebieten.

2. Registerübergreifender Datenaustausch

Als zentral gelegenes Bundesland ist der registerübergreifende Datenaustausch mit allen angrenzenden Bundesländern für das Hessische Krebsregister essentiell. Insbesondere in Hessens Grenzregionen werden Behandlungsmöglichkeiten auch in anderen Bundesländern wahrgenommen, z. B. in onkologischen Behandlungseinrichtungen in Heidelberg, Mannheim oder Mainz.

Im Rahmen des registerübergreifenden Datenaustauschs haben die klinischen Krebsregister die Aufgabe, Daten zu Patientinnen und Patienten auszutauschen, bei denen Hauptwohnsitz und Behandlungsort in verschiedenen Einzugsgebieten liegen. Dieser Datenaustausch findet derzeit statt: Das Hessische Krebsregister hat schon von einigen Bundesländern Daten erhalten. Diese Daten müssen jedoch von den Teams Stammdatenverarbeitung und Medizinische Dokumentation der Vertrauensstelle nochmals geprüft, gewichtet und mit vorhandenen Daten abgeglichen werden.

Martin Rapp (Org. Leitung der Vertrauensstelle) informierte die Teilnehmenden, dass diese Daten den hessischen Meldenden erst nach diesem Bearbeitungsprozess übermittelt werden können, um eine hohe Datenqualität – auf der Grundlage der vorliegenden Informationen – zu gewährleisten. Im Ergebnis profitieren die hessischen Meldenden von den Behandler- und Meldeamtsdaten sowie Informationen aus Leichenschauscheinen der anderen Landeskrebsregister. Die Rückmeldungen zum Vital- und Tumorstatus werden somit noch umfassender und enden nicht an der hessischen Landesgrenze.

3. Regionale Qualitätskonferenz 2020

Im Rahmen von Qualitätskonferenzen werden regional die Daten des Krebsregisters zu einer ausgewählten Tumorentität mit Behandelnden und interessiertem nichtärztlichem Personal gemeinsam diskutiert. Im Rückblick auf die erste Qualitätskonferenz 2019 zum kolorektalen Karzinom wird deutlich, dass die Datenqualität und die Vollzähligkeit der Daten derzeit noch Lücken aufweisen. Jedoch können aus den im Krebsregister vorliegenden Daten bereits zum jetzigen Zeitpunkt interessante Informationen zu verschiedenen tumorbeschreibenden Merkmalen und hinsichtlich der Behandlung der Betroffenen gewonnen werden. Langfristig sollen Qualitätskonferenzen als Instrument zur Evaluation und Verbesserung der onkologischen Versorgung entwickelt werden. Für das Jahr 2020 sind derzeit regionale Qualitätskonferenzen zum Nierenzellkarzinom in verschiedenen hessischen Regionen in Planung.

4. Dokumentation und Auswertung von Operationen

Mit dem Aufbau der landesweiten klinischen Registrierung von Tumorerkrankungen, können nun erstmals auch Behandlungsdaten durch das Krebsregister analysiert werden. Somit können beispielsweise leitlinienbasierte Qualitätsindikatoren evaluiert werden und Behandlungsansätze, die sich im Rahmen von klinischen Studien als sinnvoll erwiesen haben, anhand der Registerdaten nachvollzogen und geprüft werden.

Anhand der Daten von kolorektalen Tumoren und Zervixkarzinomen wird exemplarisch die operative Behandlung von Betroffenen nachvollzogen. Es herrschte Konsens darüber, dass eine vollständige Dokumentation der Operationsschlüssel und weiterer Merkmale der OP unerlässlich sind, um Umfang, Lokalisation und Zugang der Operationen darstellen zu können und somit Qualitätsindikatoren und Studienergebnisse anhand von Registerdaten gezielt zu adressieren.

Infohotline der Tumordokumentation

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