Rückblick: "Onkologische Versorgungssituation in Hessen – Landesqualitätskonferenz kolorektales Karzinom 2025“

Am 25. November 2025 lud das Hessische Krebsregister in Kooperation mit dem Universitären Centrum für Tumorerkrankungen Frankfurt-Marburg, der Universitätsmedizin Frankfurt, dem Krankenhaus Nordwest in Frankfurt, den Universitätskliniken in Marburg und Gießen und dem Universitätsmedizinischen Centrum für Tumorerkrankungen Gießen ein zur Veranstaltung „Onkologische Versorgungssituation in Hessen – Landesqualitätskonferenz kolorektales Karzinom“.

Onkologische Versorgung des kolorektalen Karzinoms in Hessen

Das kolorektale Karzinom stand im diesjährigen Fokus der gemeinsamen Veranstaltungsreihe zur onkologischen Versorgung in Hessen. Anhand medizinischer Fachvorträge und Auswertungen der Krebsregisterdaten wurde das Thema intersektoral und interdisziplinär beleuchtet.

Die Konferenz richtete sich an alle in Hessen tätigen Ärztinnen und Ärzte und weitere Interessierte. Sie fand als Hybridveranstaltung in den Räumlichkeiten der Landesärztekammer Hessen statt.

Die Referentinnen und Referenten der Veranstaltung © Hessisches Krebsregister
Die Referentinnen und Referenten der Veranstaltung "Onkologische Versorgung in Hessen - Landesqualitätskonferenz kolorektales Karzinom 2025", von links nach rechts: Prof. Dr. Claus Rödel, Prof. Dr. Fabian Finkelmeier, Prof. Dr. Martin Schneider, Prof. Dr. Armin Wiegering, Prof. Dr. Moritz Jesinghaus, Dr. Christoph Mann, Dr. Katharina Bernhardt, Dr. Soo-Zin Kim-Wanner

Aktuellen Entwicklungen und Studienergebnisse in der Diagnostik und Behandlung von Darmkrebs

In den medizinischen Impulsvorträgen ging es zunächst um die Darmkrebsfrüherkennung und ambulante Versorgung des kolorektalen Karzinoms. Prof. Dr. Fabian Finkelmeier, Partner am Zentrum für Gastroenterologie Bethanien, Frankfurt, zeigte auf, dass die Detektionsrate von Polypen in der Vorsorge-Koloskopien in Deutschland zuletzt bei 25-30% lag, während bösartige Karzinome in weniger als 1% detektiert wurden. Er unterstrich die Wichtigkeit von verbesserter Aufklärung zur Darmkrebsvorsorge und Primärprävention, um die Bevölkerung im Kampf gegen das kolorektale Karzinom insgesamt besser zu erreichen. Prof. Dr. Moritz Jesinghaus, geschäftsführender Oberarzt am Institut für Pathologie des Universitätsklinikums Marburg, beleuchtete in seinem Vortrag den prädiktiven Nutzen verschiedener Tumorcharakteristika wie TNM, histopathologischer Subtyp, Grading, Tumorbudding und Molekulargenetik für die Therapie und Prognose bei Darmkrebs. Er gab zudem einen Einblick in die Potentiale und Limitationen von KI-gestützten Untersuchungs- und Beurteilungsverfahren. Prof. Dr. Claus Rödel, Direktor der Klinik für Strahlentherapie und Onkologie der Universitätsmedizin Frankfurt richtete in seinem Impulsvortrag den Blick auf die Vielzahl der Therapiealternativen bei Tumoren im unteren und mittleren Rektumdrittel. Anhand zentraler klinischer Studien gab er einen Überblick über wesentliche Neuerungen in den S3-Leitlinie-Empfehlungen beim Rektumkarzinom. Diese beschreiben derzeit beim tiefsitzenden Rektumkarzinom ein Behandlungskorridor, bei dem Präferenzen der Patientinnen und Patienten eine erhebliche Rolle spielen.

Die Entwicklung operativer und peri-operativer Konzepte in der Chirurgie des kolorektalen Karzinoms wurde von Prof. Dr. Armin Wiegering, Direktor der Klinik für Allgemein-, Viszeral-, Transplantations- und Thoraxchirurgie der Universitätsmedizin Frankfurt, erläutert. Anhand einer aktuellen Studie bei Patientinnen und Patienten mit Rektumkarzinom diskutierte er die Vorteile von robotisch-assistierter Chirurgie gegenüber der konventionellen laparoskopischen Resektion, insbesondere hinsichtlich postoperativer Komplikationen und des Resektionsergebnisses. Anhand von Daten eines systematischen Reviews wies er zudem auf positive Effekte einer Fast-Track-Chirurgie hin, bei der laparoskopisch und mit reduzierter präoperativer Vorbereitung der Patientin oder des Patienten (z.B. Wegfall Nüchternheit) operiert wurde. Die Möglichkeiten der Metastasenchirurgie beim kolorektalen Karzinom wurde durch Prof. Dr. Martin Schneider, Direktor der Klinik für Allgemein-, Viszeral-, Thorax- und Transplantationschirurgie des Universitätsklinikums Gießen aufgezeigt. Am Beispiel der kolorektalen Lebermetastasen unterstrich er die Relevanz der systemischen Tumorkontrolle durch interdisziplinäre Therapieansätze, die vielfach erst die Grundlage für eine kurativ-intendierte Metastasenchirurgie legt und damit zu einer verbesserten Prognose für Patientinnen und Patienten beiträgt. Dr. Christoph Mann, Oberarzt der Klinik für Innere Medizin, Hämatologie, Onkologie und Immunologie des Universitätsklinikums Marburg, stellte ausgewählte Aspekte der systemischen Therapie beim kolorektalen Karzinom vor. Zunächst gab er einen Einblick in aktuelle Studienergebnisse zur Nutzung von ctDNA (zirkulierender Tumor-DNA) als prognostischem Marker. Er stellte kürzlich veröffentlichte Studienergebnisse zur molekular stratifizierten und zielgerichteten Behandlung von Patientinnen und Patienten im UICC-Stadium III mit Mikrosatelliteninstabilität sowie im UICC-Stadium IV mit BRAF-Mutation vor, die jeweils großes Potential für die Etablierung neuer Therapiestandards in beiden Konstellationen bergen.

Was sagen die Krebsregisterdaten zur Versorgung von Patientinnen und Patienten mit Darmkrebs in Hessen?

Anhand der Krebsregisterdaten gab Dr. Katharina Bernhardt, wissenschaftliche Mitarbeiterin der Landesauswertungsstelle des Hessischen Krebsregisters, zunächst einen Überblick über Patienten- und Tumorcharakteristika der in Hessen behandelten Personen mit kolorektalem Karzinom zwischen 2015 und 2024. Der Auswertungsschwerpunkt lag auf Unterschieden zwischen den Geschlechtern, den Altersgruppen und der Tumorlokalisation sowie auf einem Überblick über verschiedene Parameter beim metastasierten kolorektalen Karzinom.

Die Analyse der onkologischen Patientenversorgung in Hessen anhand der Krebsregisterdaten stand im Fokus des Vortrags von Dr. Soo-Zin Kim-Wanner, Leiterin der Landesauswertungs- und Abrechnungsstelle des Hessischen Krebsregisters. Sie stellte zunächst die Folgen für die Krankenhauslandschaft in Hessen dar, die nach aktuellem Stand mit den vom Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) eingeführten Fallzahl-Untergrenzen für die operative Behandlung des kolorektalen Karzinoms verbunden wären. Des Weiteren wurde die Qualität der operativen, strahlentherapeutischen und systemtherapeutischen Patientenversorgung anhand der Registerdaten für Hessen insgesamt sowie im Leistungserbringer-Vergleich gemeinsam mit den Ärztinnen und Ärzten der verschiedenen Fachdisziplinen diskutiert.

Faktenblätter zur Epidemiologie des Kolon- und des Rektumkarzinoms in Hessen

Entitätsspezifische epidemiologische Auswertungen zum Kolon- und zum Rektumkarzinom in Hessen finden Sie auf zwei Faktenblättern im Überblick zusammengestellt. Weitere Informationen und die Beschreibung der Methodik finden Sie hier.

Kommende Themen in der Veranstaltungsreihe "Onkologische Versorgungssituation in Hessen - Landesqualitätskonferenz"

Im Rahmen der gemeinsamen Veranstaltungsreihe ist für Ende 2026 eine interdisziplinäre Konferenz zum Schilddrüsenkarzinom und zu endokrinen Tumoren in Planung.

Ihre Fragen zur onkologischen Versorgung von Patientinnen und Patienten mit Schilddrüsenkrebs oder endokrinen Tumoren in Hessen greifen wir gerne anhand von Auswertungen der Krebsregisterdaten auf.

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Weitere Informationen folgen über die Website und den Newsletter des Hessischen Krebsregisters.

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