Anschluss des ambulanten Sektors an das
Hessische Krebsregister
Um die Krebsmeldung für Praxisteams zu erleichtern, lief von August 2023 bis Februar 2026 das Fördervorhaben „Anschluss des ambulanten Sektors an das Hessische Krebsregister“. Gefördert wurde die Krebsmeldung aus dem Praxissystem.
Fördervorhaben für Softwarehersteller
Von August 2023 bis Februar 2026 erstreckte sich das Fördervorhaben „Anschluss des ambulanten Sektors“. Das Vorhaben wurde finanziell vom Hessischen Ministerium für Digitales und Innovation gefördert und fachlich vom Hessischen Ministerium für Gesundheit und Familie begleitet. Die Durchführung erfolgte durch die Landesärztekammer Hessen in Zusammenarbeit mit der Vertrauensstelle des Hessischen Krebsregisters.
Ziel des Vorhabens war es, die Krebsmeldung direkt aus den Praxissystemen heraus zu ermöglichen – also dort, wo die medizinische Dokumentation im Praxisalltag ohnehin erfolgt. Durch diese Integration ergeben sich mehrere Vorteile: Die Datenerfassung findet im vertrauten System statt, Erinnerungsfunktionen unterstützen eine fristgerechte Meldung, bereits vorhandene Daten können weiterverwendet werden und mehrere Meldungen lassen sich gebündelt exportieren.
Mit den Mitteln des Landes Hessen hätten rund 15 Softwarehersteller finanziell gefördert werden können. Zudem wäre es möglich gewesen, etwa 12 Prozent der hessischen Praxen die kostenlose Nutzung der Schnittstelle für 24 Monate zu ermöglichen.
An dem Fördervorhaben beteiligten sich vier Softwarehersteller:
- abasoft EDV-Programme GmbH (Praxissystem EVA)
- Duria eG (Praxissystem DURIA)
- zollsoft GmbH (Praxissystem tomedo®)
- FREY ADV GmbH (Praxissystem QUINCY)
Krebsmeldung aus dem Praxissystem
© Aschenbrenner/Joppen GmbHIch danke den Softwareherstellern abasoft, Duria, Frey ADV und zollsoft für ihre Teilnahme an unserem Fördervorhaben. In den vergangenen Jahren wurden erfreulicherweise zwar mehr Krebsregistermodule in Praxissysteme integriert, doch die Marktdurchdringung bleibt weiterhin gering. Für Softwarehersteller ist die Bereitstellung dieser Schnittstelle nach wie vor freiwillig – ein Zustand, der dringend geändert werden muss! Nur mithilfe des ambulanten Sektors lässt sich ein vollständiges Bild des Krebsgeschehens zeichnen. Dafür braucht es eine kluge und gut durchdachte Digitalisierung, um die Bürokratie in den Praxen endlich spürbar zu entlasten. Wäre es nicht längst an der Zeit, diesen Schritt zu gehen? Für die meisten Softwarehersteller scheint finanzielle Förderung wenig attraktiv zu sein. Deshalb appelliere ich an die Gesetzgebung, aktiv zu werden. Andernfalls bleibt die flächendeckende Krebsregistrierung in Deutschland – die für uns alle von großer Bedeutung sein sollte – nur ein politisches Wunschdenken.
Ambulanter Sektor besser angebunden
Die bisherigen Ergebnisse zeigen einen deutlichen Fortschritt beim Anschluss des ambulanten Sektors. Die Zahl der registrierten Praxen stieg um 116 Prozent. Obwohl nicht alle Meldestellen über ihr Praxissystem melden (können) und deshalb die Online-Erfassung in unserem Meldeportal nutzen, verzeichnen wir im Vergleich zu 2023 für das Jahr 2024 einen Meldungsanstieg um 78 Prozent und für das Jahr 2025 um 161 Prozent. In der nachfolgenden interaktiven Grafik werden die Fortschritte deutlich.
Kreisdiagramm "Meldungseingang ambulanter Sektor". Das Kreisdiagramm zeigt die prozentuale Verteilung der eingegangenen Meldungen aus dem ambulanten Sektor für die Jahre 2023, 2024 und 2025. Die Meldungen haben sich im dargestellten Zeitraum deutlich erhöht. Datenwerte:
2023: 18,56 %
2024: 32,98 %
2025: 48,46 %
Gestapeltes Säulendiagramm „Übermittlungswege der Meldungen“: Das Diagramm zeigt drei Säulen für die Jahre 2023, 2024 und 2025. Jede Säule ist in zwei Bereiche unterteilt: „Online-Erfassung im Meldeportal“ (türkis) und „WebUpload im Meldeportal“ (orange). Insgesamt nimmt der Anteil der Meldungen über die Online-Erfassung von 2023 bis 2025 ab, während der Anteil der Übermittlung von Meldungspaketen über den WebUpload entsprechend zunimmt. Datenwerte:
2023: 69,71 % der Meldungen über die Online-Erfassung und 30,29 % über den WebUpload.
2024: 64,82 % der Meldungen über die Online-Erfassung und 35,18 % über den WebUpload.
2025: 61,35 % der Meldungen über die Online-Erfassung und 38,65 % über den WebUpload.
Gruppiertes Säulendiagramm „Übermittelte Meldeanlässe“: Das Säulendiagramm zeigt Anteile der Meldungen zu verschiedenen Meldeanlässen für die Jahre 2023 (hellblau), 2024 (blau) und 2025 (rot). In allen Kategorien steigen die Meldungen von 2023 bis 2025 an, besonders deutlich bei den Meldeanlässen „Diagnose“, „Strahlentherapie“ und „Verlauf“. Datenwerte:
Diagnose: 2023: 1,88 %, 2024: 3,74 %, 2025: 5,11 %
Operation: 2023: 0,27 %, 2024: 0,41 %, 2025: 1,12 %
Strahlentherapie: 2023: 2,24 %, 2024: 3,54 %, 2025: 6,48 %
Systemische Therapie: 2023: 2,76 %, 2024: 5,67 %, 2025: 5,87 %
Verlauf: 2023: 11,28 %, 2024: 18,92 %, 2025: 29,37 %
Tod: 2023: 0,13 %, 2024: 0,40 %, 2025: 0,51 %
Potenzial der Digitalisierung bleibt unausgeschöpft
Das Vorhaben verdeutlicht, dass Digitalisierung wirksam zur Entlastung administrativer Prozesse beitragen kann. Gleichzeitig zeigt sich, dass das vorhandene Potenzial noch nicht vollständig ausgeschöpft ist. Mit den bereitgestellten Fördermitteln hätten weitere Praxissoftwarehersteller eingebunden werden können. Vor diesem Hintergrund sind ergänzende Ansätze jenseits klassischer Fördermodelle sinnvoll, um Praxen langfristig bei bürokratischen Aufgaben wie der Krebsmeldung zu unterstützen und eine flächendeckende, nachhaltige Krebsregistrierung sicherzustellen.




