Meldung von neurologischen Tumorerkankungen

Hier finden Ärztinnen und Ärzte des neurologischen Fachgebiets (Neurologie, Neuroradiologie, Neurochirurgie und Onkologie) wichtige Informationen rund um das Meldeverfahren beim Hessischen Krebsregister.

Zusammenarbeit mit dem Krebsregister

Als neurologisch bzw. neuroonkologisch tätige Einrichtung befassen Sie sich mit der Diagnose und Therapie von neurologischen Erkrankungen. Dabei kommt es vor, dass Sie Patientinnen und Patienten behandeln, die an einem Tumor des Zentralnervensystems leiden – unabhängig davon, ob Sie in der ambulanten oder stationären Versorgung tätig sind. Beispielsweise diagnostizieren und therapieren Sie die Tumorerkrankung und/oder führen regelmäßige Verlaufskontrollen durch.

Ihre Behandlungsdaten sind für valide Krebsauswertungen enorm wichtig

Die Informationen, die durch Ihre Behandlungen entstehen, sind für das Krebsregister sehr wertvoll. Denn die Aufgabe des Krebsregisters ist es, das Krebsgeschehen in ganz Hessen flächendeckend abzubilden und auszuwerten – darunter fällt auch das Krebsgeschehen von Tumoren des Zentralnervensystems.

Alle hessischen Ärztinnen und Ärzte sind gemäß § 5 des Hessischen Krebsregistergesetzes dazu verpflichtet, Informationen zu Krebserkrankungen an das Hessische Krebsregister zu melden.

Alle Behandlungen werden erfasst – nicht nur die Diagnose

Das Hessische Krebsregister erfasst nicht nur die Diagnose einer Tumorerkrankung, sondern auch alle Behandlungen (z. B. Operationen, systemische Therapien oder Verlaufsuntersuchungen), die Sie während des Krankheitsverlaufs durchführen.

Sie sind mit Ihrer Meldung nicht auf einer Einbahnstraße

Mit Ihrer Meldung befinden Sie sich keineswegs auf einer Einbahnstraße, denn Sie bekommen Daten und Auswertungen zurück. Die Schwierigkeit liegt darin, dass unsere Rückmeldungen und Auswertungen erst aussagekräftig werden, wenn alle neurologisch bzw. neuroonkologisch tätigen Einrichtungen in Hessen ihrer Meldepflicht nachkommen und kontinuierlich an das Krebsregister melden.

Je mehr Informationen zu einer Krebserkrankung, der angewandten Therapie und deren Ergebnis vorliegen, desto höher sind die Chancen, Therapieerfolge sichtbar zu machen oder Lücken in der onkologischen Versorgung aufzudecken und zu beheben.

Krebs betrifft alle, die Meldepflicht dient allen

Ihre Meldepflicht an das Krebsregister dient

  • den an Krebs erkrankten Patientinnen und Patienten durch eine verbesserte Krebsbehandlung mithilfe der Erkenntnisse aus der bundesweiten Krebsregistrierung.
  • Ihnen und anderen Ärztinnen und Ärzten bei der Behandlung Ihrer Patientinnen bzw. Patienten in Form von Datenrückmeldungen und Auswertungen. Vollständig erhobene Daten erlauben den statistisch validen Vergleich verschiedener therapeutischer Methoden und Rückschlüsse auf den Erfolg einer Therapie.
  • der Bevölkerung durch die Implementierung von Krebsfrüherkennungsprogrammen.
In diesem Blitzratgeber haben wir alles Wichtige für Ärztinnen und Ärzte des neurologischen Fachgebiets (Neurologie, Neuroradiologie, Neurochirurgie und Onkologie) zusammengefasst.

Meldepflichtige Krebserkrankungen der Meningen, des Gehirns und anderer Teile des Zentralnervensystems

Bösartige Neubildungen

ICD-10 GM

Bezeichnung

Anmerkungen

C47.-

Bösartige Neubildung der peripheren Nerven und des autonomen Nervensystems

C70.-

Bösartige Neubildung der Meningen

C71.-

Bösartige Neubildung des Gehirns

C72.-

Bösartige Neubildung des Rückenmarkes, der Hirnnerven und anderer Teile
des Zentralnervensystems

C75.1

Bösartige Neubildung sonstiger endokriner Drüsen und verwandter Strukturen – Hypophyse

C75.2

Bösartige Neubildung sonstiger endokriner Drüsen und verwandter Strukturen – Ductus craniopharyngealis

C75.3

Bösartige Neubildung sonstiger endokriner Drüsen und verwandter Strukturen – Epiphyse [Glandula pinealis] [Zirbeldrüse]

In-situ-Neubildungen, gutartige Neubildungen,
Neubildungen unsicheren/unbekannten Verhaltens

ICD-10 GM

Bezeichnung

Anmerkungen

D32.-

Gutartige Neubildung der Meningen

D33.-

Gutartige Neubildung des Gehirns und anderer Teile des Zentralnervensystems

z. B. Hämangiome

D35.2

Gutartige Neubildung sonstiger und nicht näher bezeichneter endokriner Drüsen – Hypophyse

D35.3

Gutartige Neubildung sonstiger und nicht näher bezeichneter endokriner Drüsen – Ductus craniopharyngealis

D35.4

Gutartige Neubildung sonstiger und nicht näher bezeichneter endokriner Drüsen – Epiphyse [Glandula pinealis] [Zirbeldrüse]

D42.-

Neubildung unsicheren oder unbekannten Verhaltens der Meningen

D43.-

Neubildung unsicheren oder unbekannten Verhaltens des Gehirns und des
Zentralnervensystems

D44.3

Neubildung unsicheren oder unbekannten Verhaltens der endokrinen Drüsen – Hypophyse

D44.4

Neubildung unsicheren oder unbekannten Verhaltens der endokrinen Drüsen – Ductus craniopharyngealis

D44.5

Neubildung unsicheren oder unbekannten Verhaltens der endokrinen Drüsen – Epiphyse [Glandula pinealis] [Zirbeldrüse]

Alle meldepflichtigen Krebserkrankungen können Sie hier einsehen:

Beispiele aus dem Klinik- und Praxisalltag

1. Bei einem Patienten mit Verdacht auf einen Hirntumor wird eine Biopsie durchgeführt. Die Biopsie bestätigt ein Glioblastom.

Diese Informationen sind an das Hessische Krebsregister als Diagnose zu melden.

Beispiel:

  • Gliobastom-Biopsie: 15.04.2020
  • Diagnose: ICD-10 C71.1 (Bösartige Neubildung des Gehirns - Frontallappen)
  • Lokalisation: C71.1 (Gehirn - Frontallappen)
  • Morphologie: 9440/3 (Glioblastom o.n.A.)
  • TNM: - (für die Histologie Glioblastom nicht zulässig)
  • WHO-Grad: IV
  • IDH1/2-Mutationen: Wildtyp

2. Bei einem Patienten wird ein Akustikusneurinom diagnostiziert.

Diese Informationen sind an das Hessische Krebsregister als Diagnose zu melden. Im Gegensatz zu andere Tumorerkrankungen sind gutartige Tumoren und Tumoren unsicheren Verhaltens der Meningen, des Gehirns und anderer Teile des Zentralnervensystems meldepflichtig.

Beispiel:

  • Diagnosedatum: 12.06.2020
  • Diagnose: D33.3 (Gutartige Neubildung der Hirnnerven)
  • Lokalisation: C72.4 (N. acusticus)
  • Morphologie: 9560/0 (Akustikusneurinom)
  • WHO-Grad: I

3. Bei einer Patientin mit Diagnose Glioblastom wird eine Optune® TTFields Therapie durchgeführt.

Diese Behandlung ist meldepflichtig. Informationen zur Behandlung sind über den Meldeanlass Systemische Therapie (Beginn und Ende) an das Krebsregister zu melden.

Beispiel:

  • Beginn: 01.02.2020
  • Ende: 06.10.2020
  • Therapieart: Sonstiges
  • Intention: Palliativ
  • Nebenwirkungen: keine

4. Bei einem Patienten mit der Diagnose anaplastisches Oligodendrogliom wurde am 09.10.2018 eine Tumorexzision durchgeführt.

Diese Informationen sind an das Hessische Krebsregister als Operation zu melden.

Beispiel:

  • Operationsdatum: 09.10.2018
  • Intention: Kurativ
  • Durchgeführte Operation (OPS): 5-015.0
    (Exzision und Destruktion von erkranktem intrakraniellem Gewebe)
  • R-Status lokal: trifft nicht zu
  • OP-Komplikationen: nein
  • Morphologie: 9451/3 (Anaplastisches Oligodendrogliom)
  • Grading: trifft nicht zu
  • TNM-Klassifikation: trifft nicht zu
  • Untersuchte Lymphknoten: trifft nicht zu

Beispiele für weitere Behandlungsinformationen:

Was melden neurologisch tätige Einrichtungen?

abhängig vom jeweiligen Fachgebiet (Neurologie, Neuroradiologie, Neurochirurgie und Onkologie)

Meldeanlass

Ambulante Versorgung

Ambulante Versorgung, mit Belegarzttätigkeit

Stationäre Versorgung

Diagnose

Histologischer, zytologischer und autoptischer Befund
(Pathologie)

Operation


z. B.
Tumorexzision


z. B.
Tumorexzision

Strahlentherapie
(Beginn und Ende)

Systemische Therapie
(Beginn und Ende)


z. B.
Temozolomid,
Optune® TTFields,
Best Supportive Care


z. B.
Temozolomid,
Optune® TTFields

Verlauf
(Nachsorge, Rezidiv, Progress, etc.)

Abschluss
(Sterbefall)

Wichtiger Hinweis: Keine Fremdleistungen melden!
  • Es sind nur diejenigen Leistungen zu melden, die Sie selbst durchgeführt haben.
  • Es können jedoch Fremdleistungen ohne Vergütungsanspruch gemeldet werden, wenn sie als solche ("ex domo") gekennzeichnet sind.

Welche Daten melden neurologisch tätige Einrichtungen?

Jeder Meldeanlass fragt andere Behandlungsinformationen ab.

Jeder Meldeanlass (Diagnose, Operation, Strahlentherapie, systemische Therapie, Verlauf, Abschluss) fragt andere Behandlungsinformationen ab. Es gelten folgende Voraussetzungen:

Besondere Hinweise

1. Morphologien im Bereich Zentralnervensystem

Es sind nicht nur Tumoren mit Morphologie /3 (Maligne Neubildung), sondern auch Tumoren mit Morphologie /0 (Benigne Neubildungen) und /1 (Neubildungen unsicheren oder unbekannten Verhaltens) nach ICD-O meldepflichtig.

Beispiele:

  • Subependymom mit Histologie: 9383/1
  • Pineozytom mit Histologie: 9361/1
  • Schwannom mit Histologie: 9560/0
  • Meningeom o.n.A mit Histologie: 9530/0

Ausnahme sind Tumoren des peripheren Nervensystems. Hier sind nur Tumoren mit der Morphologie /3 meldepflichtig.

2. Grading und TNM im Bereich Zentralnervensystem

Ein Grading und eine TNM-Klassifikation für Gehirn- und Tumoren des Zentralennervensystems sind laut TNM 8. Auflage nicht vorgesehen. Hier wird beim Eintragen des Gradings die Ausprägung „nicht zutreffend“ gewählt und es wird die TNM-Klassifikation leer gelassen.

Relevant ist aber die WHO-Klassifikation für Hirntumoren.
Diese Klassifikation unterscheidet vier grundlegende Tumorgrade:

  • WHO-Grad I: Generell geringes Proliferationspotential (z. B. Schwannom)
  • WHO-Grad II: Infiltrative Natur, häufige Rezidive, Neigung zur Malignisierung
    (z.B. Oligodendrogliom)
  • WHO-Grad III: Klare histologische Malignitätsnachweise, wie nukleäre Atypien und gelegentlich lebhafte mitotische Aktivität (z.B. Anaplastisches Astrozytom)
  • WHO-Grad IV: Maligne Zytologie, Mitotische Aktivität, Nekroseneigung, Hohe Infiltrationsneigung und kraniospinales Metastasierungspotential (z.B. Glioblastom)

Ist ein WHO-Grad für die zu meldende Tumorerkrankung vorgesehen, ist diese in der Meldung anzugeben.

3. Dokumentation von Tumoren der Meningen

Tumoren der Meningen müssen im ICD-10 den Hirnhäuten - und nicht dem Hirn - zugeordnet werden. Ein Beispiel für eine falsche und eine richtige Codierung ist:

Beispiel für eine falsche Codierung:

  • Diagnose: ICD-10 D33.2 (Gutartige Neubildung des Gehirns)
  • Lokalisation: C71.9 (Gehirn o.n.A.)
  • Morphologie: 9530/0 (Meningeom o.n.A.)

Beispiel für eine richtige Codierung:

  • Diagnose: ICD-10 D32.0 (Gutartige Neubildung der Meningen - Hirnhäute)
  • Lokalisation: C70.0 (Meningen - Hirnhäute)
  • Morphologie: 9530/0 (Meningeom o.n.A.)

Wie melden neurologisch tätige Einrichtungen?

Ist die Einrichtung der ADT/GEKID-Schnittstelle im Dokumentationssystem möglich?

Die Einrichtung einer ADT/GEKID-Schnittstelle ist mit Kosten verbunden.
Am besten fragen Sie Ihren Softwarehersteller!
Lesen Sie auch: Wie Sie mit der ADT/GEKID-Schnittstelle schneller und einfacher melden.

Wege, Meldungen an das Krebsregister zu schicken:

  • Ja, die Einrichtung ist möglich und ich möchte sie nutzen:
    Meldeportal-UploadClient (MUC)
  • Ja, aber die Schnittstelle ist mir zu teuer. Welche Alternativen habe ich?
    Meldeportal (Web) oder andere Systeme
  • Nein, die Einrichtung ist (noch) nicht möglich. Welche Alternativen habe ich?
    Meldeportal (Web) oder andere Systeme
1. Meldeportal (Web) vom Hessischen Krebsregister

Die kostenlose Plattform dient zur Online-Erfassung von Meldungen an das Hessische Krebsregister und richtet sich an alle hessischen Einrichtungen, deren Dokumentationssystem keine Schnittstelle zum Landeskrebsregister besitzt. Detaillierte Informationen stehen Ihnen auf dieser Seite zur Verfügung:

2. Meldeportal-UploadClient (MUC) vom Hessischen Krebsregister

Der Meldeportal-UploadClient (MUC) richtet sich an Ärztinnen und Ärzte, die eine ADT/GEKID-Schnittstelle in ihrem Dokumentationssystem eingerichtet haben. Über diese Schnittstelle wird das Meldungspaket (xml-Datei) generiert. Das Paket wird anschließend über den Meldeportal-UploadClient (MUC) an das Hessische Krebsregister gesendet. Weitere Informationen stehen auf folgender Seite bereit:

3. Weitere Systeme für die Krebsregistermeldung

Auf dem Markt gibt es mittlerweile weitere Systeme, über die niedergelassene Ärztinnen und Ärzte Meldungen an das Krebsregister übermitteln können. Die Systeme, deren Schnittstelle wir bereits abgenommen haben, stellen wir hier vor:

Sie erhalten für Ihre Meldungen:

  1. Eine Meldevergütung.
  2. Informationen zum aktuellen Vitalstatus Ihrer Patientin bzw. Ihres Patienten.
  3. Informationen zur Behandlung und Verlaufsbeurteilung
    durch andere Ärztinnen und Ärzte.
  4. Unterstützung in der Tumordokumentation.

Auswertungen

Im Jahr 2021 plant die Landesauswertungsstelle Qualitätskonferenzen zu Hirntumoren.

Anhand der Krebsregisterdaten ist ein Messen von Kennzahlen der onkologischen Versorgung möglich. Die Evaluation findet im direkten Austausch mit den behandelnden Ärztinnen und Ärzten im Rahmen von Qualitätskonferenzen statt. Die Auswertungen und Rückmeldeberichte werden umso aussagekräftiger, je mehr Behandlungsinformationen zu Hirntumoren dem Krebsregister vorliegen.

Bitte melden Sie fortlaufend und umfassend!

Nützliche Tipps

Besuchen Sie unsere kostenlosen Webseminare zum Meldeportal und Tumordokumentation!

5 Schritte zur ersten Meldung

Veranstaltungen

Wir bieten regelmäßig Webseminare zum Meldeportal und zur Tumordokumentation an. Wir freuen uns auf Ihr virtuelles Kommen!

Fragen zur Anmeldung beim Hessischen Krebsregister

Irmgard Gebl<br>

Irmgard Gebl
Beratung und Anmeldung
Telefon: 069 5660876-11
Per E-Mail kontaktieren

Bettina Friedrich<br>

Bettina Friedrich
Beratung und Anmeldung
Telefon: 069 5660876-11
Per E-Mail kontaktieren

Fragen zur Tumordokumentation der Meldungen

Larissa Fendt<br>

Larissa Fendt
Medizinische Dokumentation
Telefon: 069 5660876-40
Per E-Mail kontaktieren

Jasmin Schmid<br>

Jasmin Schmid
Medizinische Dokumentation
Telefon: 069 5660876-40
Per E-Mail kontaktieren