Meldung von urologischen Tumorerkrankungen

Urologie: Hier finden urologisch tätige Ärztinnen und Ärzte wichtige Informationen rund um das Meldeverfahren beim Hessischen Krebsregister.

Zusammenarbeit mit dem Krebsregister

Als urologisch tätige Einrichtung befassen Sie sich mit der Diagnose und Therapie von Erkrankungen der Harn- und Geschlechtsorgane. Dabei kommt es vor, dass Sie Patientinnen und Patienten behandeln, die an einem urologischen Tumor leiden – unabhängig davon, ob Sie in der ambulanten oder stationären Versorgung tätig sind. Beispielsweise diagnostizieren und therapieren Sie die Tumorerkrankung und/oder führen regelmäßige Verlaufskontrollen durch.

Ihre Behandlungsdaten sind für valide Krebsauswertungen enorm wichtig

Die Informationen, die durch Ihre Behandlungen entstehen, sind für das Krebsregister sehr wertvoll. Denn die Aufgabe des Krebsregisters ist es, das Krebsgeschehen in ganz Hessen flächendeckend abzubilden und auszuwerten – darunter fällt auch das Krebsgeschehen von urologischen Tumorerkrankungen.

Alle hessischen Ärztinnen und Ärzte sind gemäß § 5 des Hessischen Krebsregistergesetzes dazu verpflichtet, Informationen zu Krebserkrankungen an das Hessische Krebsregister zu melden.

Alle Behandlungen werden erfasst – nicht nur die Diagnose

Das Hessische Krebsregister erfasst nicht nur die Diagnose einer Tumorerkrankung, sondern auch alle Behandlungen (z. B. Operationen, systemische Therapien oder Verlaufsuntersuchungen), die Sie während des Krankheitsverlaufs durchführen.

Sie sind mit Ihrer Meldung nicht auf einer Einbahnstraße

Mit Ihrer Meldung befinden Sie sich keineswegs auf einer Einbahnstraße, denn Sie bekommen Daten und Auswertungen zurück. Die Schwierigkeit liegt darin, dass unsere Rückmeldungen und Auswertungen erst aussagekräftig werden, wenn alle urologisch tätigen Einrichtungen in Hessen ihrer Meldepflicht nachkommen und kontinuierlich an das Krebsregister melden.

Je mehr Informationen zu einer Krebserkrankung, der angewandten Therapie und deren Ergebnis vorliegen, desto höher sind die Chancen, Therapieerfolge sichtbar zu machen oder Lücken in der onkologischen Versorgung aufzudecken und zu beheben.

Krebs betrifft alle, die Meldepflicht dient allen

Ihre Meldepflicht an das Krebsregister dient

  • den an Krebs erkrankten Patientinnen und Patienten durch eine verbesserte Krebsbehandlung mithilfe der Erkenntnisse aus der bundesweiten Krebsregistrierung.
  • Ihnen und anderen Ärztinnen und Ärzten bei der Behandlung Ihrer Patientinnen bzw. Patienten in Form von Datenrückmeldungen und Auswertungen. Vollständig erhobene Daten erlauben den statistisch validen Vergleich verschiedener therapeutischer Methoden und Rückschlüsse auf den Erfolg einer Therapie.
  • der Bevölkerung durch die Implementierung von Krebsfrüherkennungsprogrammen.
In diesem Blitzratgeber haben wir alles Wichtige
für urologisch tätige Ärztinnen und Ärzte zusammengefasst!

Meldepflichtige Krebserkrankungen des
Urogenitaltrakts

Bösartige Neubildungen des Urogenitaltrakts

ICD-10 GM

Bezeichnung

Anmerkungen

C60.-

Bösartige Neubildung des Penis

C61

Bösartige Neubildung der Prostata

C62.-

Bösartige Neubildung des Hodens

C63.-

Bösartige Neubildung sonstiger und nicht näher bezeichneter männlicher Genitalorgane

C64

Bösartige Neubildung der Niere, ausgenommen Nierenbecken

C65

Bösartige Neubildung des Nierenbeckens

C66

Bösartige Neubildung des Ureters

C67.-

Bösartige Neubildung der Harnblase

C68.-

Bösartige Neubildung sonstiger und nicht näher bezeichneter Harnorgane

C74.-

Bösartige Neubildung der Nebenniere

C77.-

Sekundäre und nicht näher bezeichnete bösartige Neubildung der Lymphknoten


Nicht als Diagnose, sondern als Fernmetastase zu melden!

C78.-

Sekundäre bösartige Neubildung der Atmungs- und Verdauungsorgane


Nicht als Diagnose, sondern als Fernmetastase zu melden!

C79.-

Sekundäre bösartige Neubildung an sonstigen und nicht näher bezeichneten Lokalisationen


Nicht als Diagnose, sondern als Fernmetastase zu melden!

In-situ-Neubildungen, gutartige Neubildungen,
Neubildungen unsicheren/unbekannten Verhaltens des Urogenitaltrakts

ICD-10 GM

Bezeichnung

Anmerkungen

D07.4

Carcinoma in situ:
Penis

D07.5

Carcinoma in situ:
Prostata

D07.6

Carcinoma in situ:
Sonstige und nicht näher bezeichnete männliche Genitalorgane

D09.0

Carcinoma in situ:
Harnblase

D09.1

Carcinoma in situ:
Sonstige und nicht näher bezeichnete Harnorgane

D09.7

Carcinoma in situ:
Sonstige näher bezeichnete Lokalisationen

Die Lokalisation bitte möglichst genau angeben.

D41.4

Neubildung unsicheren oder unbekannten Verhaltens:
Harnblase

Alle meldepflichtigen Krebserkrankungen können Sie hier einsehen:

Beispiele aus dem Klinik- und Praxisalltag

1. Bei einem Patienten mit nichtinvasivem papillären Harnblasenkarzinom wird eine intravesikale Instillation durchgeführt.

Diese Behandlung ist meldepflichtig. Informationen zur Behandlung sind über den Meldeanlass "Systemische Therapie" (Beginn und Ende) an das Krebsregister zu melden.

Beispiel:

Diagnose: ICD-10 D09.0, Morphologie: 8130/2, Grading: high grade (H)
Instillation von Mitomycin in die Harnblase am 16.06.2020, nach einer TUR-B.
Instillationen sollen als systemische Therapie unter Angabe der verwendeten Substanz gemeldet werden, nicht als OPS-Code.
Die Meldung einer intravesikalen Instillation kann folgendermaßen aussehen:

  • Beginn: 16.06.2020
  • Ende: 16.06.2020
  • Therapieart: Chemotherapie
  • Substanz: Mitomycin
  • Stellung zur OP: adjuvant
  • Intention: kurativ
  • Beendigungsgrund: regulär
  • Nebenwirkungen der systemischen Therapie: keine

2. Bei einem Patienten mit Verdacht auf ein Prostatakarzinom wird eine Prostata-Stanzbiopsie durchgeführt. Die Biopsie bestätigt den Prostatakrebs.

Diese Informationen sind an das Hessische Krebsregister als Diagnose zu melden. Zusätzlich sind die Mindestanforderungen des organspezifischen Ergänzungsmoduls Prostatakarzinom zu beachten.

Beispiel:

Prostata-Stanzbiopsie 06.08.2020
Diagnose: ICD-10 C61, Morphologie: 8140/3, TNM: cT1c
Angaben aus dem organspezifischen Ergänzungsmodul (ab Meldedatum 01.04.2020 Bestandteil der Mindestanforderungen):

  • Gleason-Score: 3+4=7a
  • Anlass Gleason-Score: Stanze
  • Datum Stanzen: 06.08.2020
  • Anzahl Stanzen: 12
  • Anzahl positive Stanzen: 4
  • Max. Ca-Befall-Stanze: 30%
  • PSA: 7,1 ng/ml
  • Datum PSA: 06.08.2020

3. Bei einem Patienten wird eine papilläre urotheliale Neoplasie von niedrig malignem Potenzial (engl. papillary urothelial neoplasm of low malignant potential = PUNLMP) in der Harnblase festgestellt.

Diese Informationen sind an das Hessische Krebsregister als Diagnose zu melden. Neubildungen unsicheren oder unbekannten Verhaltens der Harnblase sind meldepflichtig. Dies stellt eine Ausnahme dar, da ansonsten unsichere/unbekannte Neubildungen im Bereich Urologie nicht meldepflichtig sind.

Beispiel:
Diagnose: ICD-10 D41.4, Morphologie: 8130/1

Beispiele für weitere Behandlungsinformationen:

Was melden urologisch tätige Einrichtungen?

Meldeanlass

Ambulante Versorgung

Ambulante Versorgung, mit Belegarzttätigkeit

Stationäre Versorgung

Diagnose

Histologischer, zytologischer und autoptischer Befund
(Pathologie)

Operation


z. B. TUR


z. B. TUR, Zystektomie


z. B. TUR, Zystektomie

Strahlentherapie
(Beginn und Ende)

Systemische Therapie
(Beginn und Ende)


z. B. Androgenblockade
(z. B. Bicalutamid), Active Surveillance,
Best Supportive Care


z. B. Mitomycin, Androgenblockade (z. B. Bicalutamid),
Active Surveillance,
Best Supportive Care


z. B. Mitomycin, Docetaxel, Active Surveillance

Verlauf
(Nachsorge, Rezidiv, Progress, etc.)

Abschluss
(Sterbefall)

Wichtiger Hinweis: Keine Fremdleistungen melden!
  • Es sind nur diejenigen Leistungen zu melden, die Sie selbst durchgeführt haben.
  • Es können jedoch Fremdleistungen ohne Vergütungsanspruch gemeldet werden, wenn sie als solche ("ex domo") gekennzeichnet sind.

Welche Daten melden urologisch tätige Einrichtungen?

Jeder Meldeanlass fragt andere Behandlungsinformationen ab.

Jeder Meldeanlass (Diagnose, Operation, Strahlentherapie, systemische Therapie, Verlauf, Abschluss) fragt andere Behandlungsinformationen ab. Es gelten folgende Voraussetzungen:

Besondere Hinweise

1. Morphologien im Bereich Urologie

Topographie Prostata ICD-O-3 C61.9

  • Die Morphologie 8550/3 („Azinuszellkarzinom“ oder „Azinäres Adenokarzinom“) wird in der WHO-Klassifikation nicht mehr verwendet, kodieren Sie in den Meldungen an das Hessische Krebsregister stattdessen bitte 8140/3.

Topographie Harnblase ICD-O-3 C67.*

  • Die Morphologie 8130/3 (Papilläres Urothelkarzinom (invasiv)) wird in der WHO-Klassifikation nicht mehr verwendet, kodieren Sie in den Meldungen an das Hessische Krebsregister stattdessen bitte 8120/3.
  • Morphologien mit /1 an der Harnblase (z.B. 8130/1, PUNLMP) sind meldepflichtig.

Topographie ICD-O-3 C65.9 Nierenbecken, C66.9 Ureter, C68.* Sonstige und nicht näher bezeichnete Teile des Harntraktes

  • Die Morphologie 8130/3 (Papilläres Urothelkarzinom (invasiv)) wird in der WHO-Klassifikation nicht mehr verwendet, kodieren Sie in den Meldungen an das Hessische Krebsregister stattdessen bitte 8120/3.

2. Grading im Bereich Urologie

Topographie Prostata ICD-O-3 C61.9:

  • Ab dem Meldedatum 01.04.2020 ist es eine Mindestanforderung, bei Prostatakarzinomen den Gleason-Score anzugeben. Ein histopathologisches Grading muss zusätzlich nicht mehr angegeben werden, im Feld Grading ist „trifft nicht zu“ einzutragen.

3. Ergänzungsmodul zum Prostatakarzinom (bei ICD-10 GM: C61, D07.5)

Bei einigen Tumorentitäten, hier dem Prostatakarzinom, ist der einheitliche onkologische Basisdatensatz für eine aussagekräftige Abbildung des Tumorgeschehens nicht ausreichend. Aus diesem Grund wurden Ergänzungsmodule geschaffen, die zusätzliche medizinische Informationen über die Behandlung Ihrer Patientin bzw. Ihres Patienten abfragen.

Bitte übermitteln Sie mindestens folgende Felder:

  1. Gleason-Score
    ergänzend zur Diagnose-, Operations- oder Verlaufsmeldung
  2. Anlass Gleason-Score
    ergänzend zur Diagnose-, Operations- oder Verlaufsmeldung
  3. Datum Stanzen
    ergänzend zur Diagnose- oder Verlaufsmeldung
  4. Anzahl Stanzen
    ergänzend zur Diagnose- oder Verlaufsmeldung
  5. Anzahl positiver Stanzen
    ergänzend zur Diagnose- oder Verlaufsmeldung
  6. Ca-Befall Stanze
    ergänzend zur Diagnose- oder Verlaufsmeldung
  7. PSA
    ergänzend zur Diagnose- oder Verlaufsmeldung
  8. Datum PSA
    ergänzend zur Diagnose- oder Verlaufsmeldung
  9. Postoperative Komplikationen
    ergänzend zur Operationsmeldung

Wie melden urologisch tätige Einrichtungen?

Ist die Einrichtung der ADT/GEKID-Schnittstelle im Dokumentationssystem möglich?

Die Einrichtung einer ADT/GEKID-Schnittstelle ist mit Kosten verbunden.
Am besten fragen Sie Ihren Softwarehersteller!
Lesen Sie auch: Wie Sie mit der ADT/GEKID-Schnittstelle schneller und einfacher melden.

Wege, Meldungen an das Krebsregister zu schicken:

  • Ja, die Einrichtung ist möglich und ich möchte sie nutzen:
    Meldeportal-UploadClient (MUC)
  • Ja, aber die Schnittstelle ist mir zu teuer. Welche Alternativen habe ich?
    Meldeportal (Web) oder andere Systeme
  • Nein, die Einrichtung ist (noch) nicht möglich. Welche Alternativen habe ich?
    Meldeportal (Web) oder andere Systeme
1. Meldeportal (Web) vom Hessischen Krebsregister

Die kostenlose Plattform dient zur Online-Erfassung von Meldungen an das Hessische Krebsregister und richtet sich an alle hessischen Einrichtungen, deren Dokumentationssystem keine Schnittstelle zum Landeskrebsregister besitzt. Detaillierte Informationen stehen Ihnen auf dieser Seite zur Verfügung:

2. Meldeportal-UploadClient (MUC) vom Hessischen Krebsregister

Der Meldeportal-UploadClient (MUC) richtet sich an Ärztinnen und Ärzte, die eine ADT/GEKID-Schnittstelle in ihrem Dokumentationssystem eingerichtet haben. Über diese Schnittstelle wird das Meldungspaket (xml-Datei) generiert. Das Paket wird anschließend über den Meldeportal-UploadClient (MUC) an das Hessische Krebsregister gesendet. Weitere Informationen stehen auf folgender Seite bereit:

3. Weitere Systeme für die Krebsregistermeldung

Auf dem Markt gibt es mittlerweile weitere Systeme, über die niedergelassene Ärztinnen und Ärzte Meldungen an das Krebsregister übermitteln können. Die Systeme, deren Schnittstelle wir bereits abgenommen haben, stellen wir hier vor:

Sie erhalten für Ihre Meldungen:

  1. Eine Meldevergütung.
  2. Informationen zum aktuellen Vitalstatus Ihrer Patientin bzw. Ihres Patienten.
  3. Informationen zur Behandlung und Verlaufsbeurteilung
    durch andere Ärztinnen und Ärzte.
  4. Unterstützung in der Tumordokumentation.

Auswertungen

Nützliche Tipps

  • Dokumentationsübung zum Nierenzellkarzinom - hier klicken
  • Dokumentationshinweise zum Nierenzellkarzinom - hier klicken

Besuchen Sie unsere kostenlosen Webseminare zum Meldeportal und Tumordokumentation!

5 Schritte zur ersten Meldung

Veranstaltungen

Wir bieten regelmäßig Webseminare zum Meldeportal und zur Tumordokumentation an. Wir freuen uns auf Ihr virtuelles Kommen!

Fragen zur Anmeldung beim Hessischen Krebsregister

Irmgard Gebl<br>

Irmgard Gebl
Beratung und Anmeldung
Telefon: 069 5660876-11
Per E-Mail kontaktieren

Bettina Friedrich<br>

Bettina Friedrich
Beratung und Anmeldung
Telefon: 069 5660876-11
Per E-Mail kontaktieren

Fragen zur Tumordokumentation der Meldungen

Larissa Fendt<br>

Larissa Fendt
Medizinische Dokumentation
Telefon: 069 5660876-40
Per E-Mail kontaktieren

Jasmin Schmid<br>

Jasmin Schmid
Medizinische Dokumentation
Telefon: 069 5660876-40
Per E-Mail kontaktieren