Meldung von gynäkologischen Krebserkrankungen und Tumoren der Brust

Gynäkologie: Hier finden gynäkologisch tätige Ärztinnen und Ärzte wichtige Informationen rund um das Meldeverfahren beim Hessischen Krebsregister.

Zusammenarbeit mit dem Krebsregister

Als gynäkologisch tätige Einrichtung befassen Sie sich mit der Diagnose und Therapie von gynäkologischen Erkrankungen. Dabei kommt es vor, dass Sie Patientinnen mit einem gynäkologischen Tumor oder Patientinnen bzw. Patienten mit Brustkrebs behandeln – unabhängig davon, ob Sie in der ambulanten oder stationären Versorgung tätig sind. Beispielsweise diagnostizieren und therapieren Sie die Tumorerkrankung und/oder führen regelmäßige Verlaufskontrollen durch.

Ihre Behandlungsdaten sind für valide Krebsauswertungen enorm wichtig

Die Informationen, die durch Ihre Behandlungen entstehen, sind für das Krebsregister sehr wertvoll. Denn die Aufgabe des Krebsregisters ist es, das Krebsgeschehen in ganz Hessen flächendeckend abzubilden und auszuwerten – darunter fällt auch das Krebsgeschehen von gynäkologischen Tumorerkrankungen, einschließlich Tumoren der Brust.

Alle hessischen Ärztinnen und Ärzte sind gemäß § 5 des Hessischen Krebsregistergesetzes dazu verpflichtet, Informationen zu Krebserkrankungen an das Hessische Krebsregister zu melden.

Alle Behandlungen werden erfasst – nicht nur die Diagnose

Das Hessische Krebsregister erfasst nicht nur die Diagnose einer Tumorerkrankung, sondern auch alle Behandlungen (z. B. Operationen, systemische Therapien oder Verlaufsuntersuchungen), die Sie während des Krankheitsverlaufs durchführen.

Sie sind mit Ihrer Meldung nicht auf einer Einbahnstraße

Mit Ihrer Meldung befinden Sie sich keineswegs auf einer Einbahnstraße, denn Auswertungen werden generiert und Sie bekommen Daten zurück. Die Schwierigkeit liegt darin, dass unsere Rückmeldungen und Auswertungen erst aussagekräftig werden, wenn alle gynäkologisch tätigen Einrichtungen in Hessen ihrer Meldepflicht nachkommen und kontinuierlich an das Krebsregister melden.

Je mehr Informationen zu einer Krebserkrankung, der angewandten Therapie und deren Ergebnis vorliegen, desto höher sind die Chancen, Therapieerfolge sichtbar zu machen oder Lücken in der onkologischen Versorgung aufzudecken und zu beheben.

Krebs betrifft alle, die Meldepflicht dient allen

Ihre Meldepflicht an das Krebsregister dient

  • den an Krebs erkrankten Patientinnen und Patienten durch eine verbesserte Krebsbehandlung mithilfe der Erkenntnisse aus der Krebsregistrierung.
  • Ihnen und anderen Ärztinnen und Ärzten bei der Behandlung Ihrer Patientinnen bzw. Patienten in Form von Datenrückmeldungen und Auswertungen. Vollständig erhobene Daten ermöglichen einen Rückschluss auf die Behandlungsqualität und dienen der Qualitätssicherung.
  • der Bevölkerung durch die Implementierung von Krebsfrüherkennungsprogrammen.
In diesem Blitzratgeber haben wir alles Wichtige
für gynäkologisch tätige Ärztinnen und Ärzte zusammengefasst!

Meldepflichtige Krebserkrankungen
der Brust und der weiblichen Geschlechtsorgane

Bösartige Neubildungen

ICD-10 GM

Bezeichnung

Anmerkungen

C48

Bösartige Neubildung des Peritoneums

C50.-

Bösartige Neubildung der Brustdrüse

C51.-

Bösartige Neubildung der Vulva

C52

Bösartige Neubildung der Vagina

Primäre Tumoren der Vagina sind sehr selten!

C53.-

Bösartige Neubildung der Cervix uteri

C54.-

Bösartige Neubildung des Corpus uteri

C55

Bösartige Neubildung des Uterus

Nur bei Biopsien zulässig. Nach der Operation sollte bekannt sein, ob es sich um eine Cervix- oder Corpus-Erkrankung handelt.

C56

Bösartige Neubildung des Ovar

C57

Bösartige Neubildung sonstiger und nicht näher bezeichneter Teile der weiblichen Geschlechtsorgane

C58

Bösartige Neubildung der Plazenta

C77.-

Sekundäre und nicht näher bezeichnete bösartige Neubildung der Lymphknoten


Nicht als Diagnose, sondern als Fernmetastase zu melden!

C78.-

Sekundäre bösartige Neubildung der Atmungs- und Verdauungsorgane


Nicht als Diagnose, sondern als Fernmetastase zu melden!

C79.-

Sekundäre bösartige Neubildung an sonstigen und nicht näher bezeichneten Lokalisationen


Nicht als Diagnose, sondern als Fernmetastase zu melden!

In-situ-Neubildungen, gutartige Neubildungen,
Neubildungen unsicheren/unbekannten Verhaltens

ICD-10 GM

Bezeichnung

Anmerkungen

D05.0

Lobuläres Carcinoma in situ der Brustdrüse

D05.1

Carcinoma in situ: Milchgänge

D05.7

Sonstige Carcinoma in situ der Brustdrüse

D05.9

Carcinoma in situ der Brustdrüse, nicht näher bezeichnet

D06.0

Carcinoma in situ: Endocervix

D06.1

Carcinoma in situ:
Ektocervix

D06.7

Carcinoma in situ:
Sonstige Teile der Cervix uteri

D06.9

Carcinoma in situ:
Cervix uteri, nicht näher bezeichnet

D07.0

Carcinoma in situ:
Endometrium

D07.1

Carcinoma in situ:
Vulva

D07.2

Carcinoma in situ:
Vagina

D07.3

Sonstige und nicht näher bezeichnete weibliche Genitalorgane

D39.1

Neubildungen unsicheren oder unbekannten Verhaltens:
Ovar

z. B. Borderline-Tumore

Alle meldepflichtigen Krebserkrankungen können Sie hier einsehen:

Beispiele aus dem Klinik- und Praxisalltag

1. Eine Patientin, bei der vor zehn Monaten (12 SSW) ein Carcinoma in situ an der Cervix uteri mit “Pap III D2“ (CIN 2) diagnostiziert wurde, kommt zum Kontrollabstrich. Dabei wird eine Zytologie der Klassifikation “Pap III D1“ festgestellt.

Diese Information ist über den Meldeanlass Verlauf an das Krebsregister zu melden. Im Feld "Tumorstatus Primärtumor“ wird „kein Primärtumor nachweisbar“ angegeben. Tumorerkrankungen beginnend ab Pap III D2 sind meldepflichtig, d. h. dann über den Meldeanlass Diagnose zu melden.

2. Bei einer Patientin wurde im Jahr 2009 ein Mammakarzinom links diagnostiziert und vollständig reseziert. Im Jahr 2018 wurden bei derselben Patientin Knochenmetastasen festgestellt. Diese Metastasen werden zeitgleich mit einer Radiotherapie und einer Chemotherapie behandelt.

Es ist von der durchführenden Abteilung jeweils eine separate Therapie zu melden:

  • Die Radiotherapie wird über den Meldeanlass Strahlentherapie gemeldet.
  • Die Chemotherapie wird über den Meldeanlass Systemische Therapie mitgeteilt.

3. Bei einer Routineuntersuchung einer Patientin wird ein ca. 1 cm großer Knoten ertastet. Der Arzt stellt den Verdacht auf eine maligne Erkrankung. Ist dies an das Hessische Krebsregister zu melden?

Verdachtsmeldungen sind nicht an das Krebsregister zu melden. Erst wenn sich der Verdacht durch eine Biopsie bestätigt hat, ist eine Meldung über den Meldeanlass Diagnose erforderlich.

4. Bei einer Patientin wurde im Jahr 2010 ein Mammakarzinom links diagnostiziert und vollständig reseziert. Im Jahr 2018 wurde bei derselben Patientin ein DCIS an der linken Mamma festgestellt.

In diesem Fall handelt es sich um ein Rezidiv, da das DCIS auf der gleichen Seite aufgetreten ist wie der Primärtumor im Jahr 2010.

Auch sind die Histologien der Tumoren der gleichen Morphologiegruppe zuzuordnen, unabhängig davon, ob es sich um ein invasives Karzinom oder ein Karzinom in situ handelt. Diese Information ist über den Meldeanlass Verlauf zu melden.

Beispiele für weitere Behandlungsinformationen:

Was melden gynäkologisch tätige Einrichtungen?

Meldeanlass

Ambulante Versorgung

Ambulante Versorgung, mit Belegarzttätigkeit

Stationäre Versorgung

Diagnose

Histologischer, zytologischer und autoptischer Befund
(Pathologie)

Operation


z. B. Therapeutische Kürettage


z. B. Mastektomie,
Uterusexstirpation

Strahlentherapie
(Beginn und Ende)

Systemische Therapie
(Beginn und Ende)


Hormontherapien,
z. B. Tamoxifen,
Best Supportive Care


Antikörper-Therapie
z. B. Trastuzumab;
neoadjuvante und adjuvante Chemotherapien
z. B. Cyclophosphamid, Doxorubicin

Verlauf
(Nachsorge, Rezidiv, Progress, etc.)

Abschluss
(Sterbefall)

Wichtiger Hinweis: Keine Fremdleistungen melden!
  • Es sind nur diejenigen Leistungen zu melden, die Sie selbst durchgeführt haben.
  • Es können jedoch Fremdleistungen ohne Vergütungsanspruch gemeldet werden, wenn sie als solche ("ex domo") gekennzeichnet sind.

Welche Daten melden gynäkologisch tätige Einrichtungen?

  1. Jeder Meldeanlass (Diagnose, Operation, Strahlentherapie, Systemische Therapie, Verlauf, Abschluss) fragt andere Behandlungsinformationen ab. Es gelten folgende Voraussetzungen: Meldungen aus der Klinik/Praxis.
  2. Detailliertere Dokumentationshinweise für gynäkologische Tumoren finden Sie hier: Dokumentation von gynäkologischen Tumoren.

Wie melden gynäkologisch tätige Einrichtungen?

Ist die Einrichtung einer ADT/GEKID-Schnittstelle in Ihrem Dokumentationssystem möglich?

1. Meldeportal (Web) vom Hessischen Krebsregister

Die kostenlose Plattform dient zur Online-Erfassung von Meldungen an das Hessische Krebsregister und richtet sich an alle hessischen Einrichtungen, deren Dokumentationssystem keine Schnittstelle zum Landeskrebsregister besitzt. Detaillierte Informationen stehen Ihnen auf dieser Seite zur Verfügung:

Meldeportal (Web) des Hessischen Krebsregisters

2. Meldeportal-UploadClient (MUC) vom Hessischen Krebsregister

Der Meldeportal-UploadClient (MUC) richtet sich an Ärztinnen und Ärzte, die eine ADT/GEKID-Schnittstelle in ihrem Dokumentationssystem eingerichtet haben. Über diese Schnittstelle wird das Meldungspaket (xml-Datei) generiert. Das Paket wird anschließend über den Meldeportal-UploadClient (MUC) an das Hessische Krebsregister gesendet. Weitere Informationen stehen auf folgender Seite bereit:

Meldeportal-UploadClient (MUC)

3. Weitere Systeme für die Krebsregistermeldung

Auf dem Markt gibt es mittlerweile weitere Systeme, worüber niedergelassene Ärztinnen und Ärzte Meldungen an das Krebsregister übermitteln können. Die Systeme, deren Schnittstelle wir bereits abgenommen haben, stellen wir hier vor:

Systeme für die ambulante Versorgung

Sie erhalten für Ihre Meldungen:

  1. Eine Meldevergütung.
  2. Informationen zum aktuellen Vitalstatus Ihrer Patientin bzw. Ihres Patienten.
  3. Informationen zur Behandlung und Verlaufsbeurteilung
    durch andere Ärztinnen und Ärzte.
  4. Unterstützung in der Tumordokumentation.

Auswertungen

Qualitätskonferenzen zum Brustkrebs im Jahr 2022: Anhand der Krebsregisterdaten ist ein Messen von Kennzahlen der onkologischen Versorgung möglich. Die Evaluation findet im direkten Austausch mit den behandelnden Ärztinnen und Ärzten im Rahmen von Qualitätskonferenzen statt.

Die Auswertungen und Rückmeldeberichte werden umso aussagekräftiger, je mehr Behandlungsinformationen zu Brustkrebs dem Krebsregister vorliegen. Bitte melden Sie fortlaufend und umfassend!

5 Schritte zur ersten Meldung

Veranstaltungen

Wir bieten regelmäßig Webseminare zum Meldeportal und zur Tumordokumentation an. Wir freuen uns auf Ihr virtuelles Kommen!

Fragen zur Anmeldung beim Hessischen Krebsregister

Irmgard Gebl<br>

Irmgard Gebl
Beratung und Anmeldung
Telefon: 069 5660876-11
Per E-Mail kontaktieren

Bettina Friedrich<br>

Bettina Friedrich
Beratung und Anmeldung
Telefon: 069 5660876-11
Per E-Mail kontaktieren