Dokumentation von Tumoren
im Kopf- und Halsbereich
Auf dieser Seite finden Sie Hinweise und Empfehlungen für die Dokumentation von Tumoren im Kopf- und Halsbereich.
Kopf-Hals-Tumoren
Allgemeine Dokumentationshinweise
Seit Einführung der aktuellen 8. Auflage der TNM-Klassifikation gibt es eine Klassifikation für das CUP (Cancer of Unknown Primary = Krebserkrankung mit unbekanntem Primärtumor) mit Metastasen der Halslymphknoten. Davor gab es kein TNM für diese Diagnose.
Fallbeispiel:
Im Jahr 2018 wird bei einem Patienten ein p16-positives Plattenepithelkarzinom in drei zervikalen Lymphknoten histologisch nachgewiesen. Der Primärtumor ist nicht nachweisbar.
- Diagnose: C80.0 (Unbekannter Primärtumor mit Metastasen der Halslymphknoten)
- Erstdiagnose: 01.07.2018 (jahresgenau)
- Lokalisation: C80.9 (Unbekannte Primärlokalisation)
- Histologie: 8085/3 (Plattenepithelkarzinom, HPV-positiv)
- TNM-Klassifikation: cT0, pN1, cM0
Schleimhautmelanome haben eine eigene TNM-Klassifikation (TNM 8. Auflage, S. 62-63), bei der ein klinischer T-Wert bestimmt werden kann.
Beispiel - Melanom der Zunge:
- Diagnose: C02.9 (Bösartige Neubildung der Zunge, nicht näher bezeichnet)
- Lokalisation: C02.9 (Zunge o. n. A.)
- Histologie: 8720/3 (Malignes Melanom o. n. A.)
- TNM: cT3 cN0 cM0
Beispiel - Melanom der Glottis:
- Diagnose: C32.0 (Bösartige Neubildung der Glottis)
- Lokalisation: C32.0 (Glottis)
- Histologie: 8720/3 (Malignes Melanom o. n. A.)
- TNM: pT4a cNX cM0
Befällt ein Tumor mehrere Lokalisationen bzw. anatomische Bezirke und der Tumorursprung ist histologisch nicht eindeutig zu erkennen, so wird der Tumor nach der Lokalisation klassifiziert, die er größtenteils befällt.
Befällt der Tumor z. B. hauptsächlich die Zunge und nur einen kleinen Teil des Zungengrunds, so wird ein Zungenkarzinom dokumentiert und klassifiziert.
HPV-assoziierte Karzinome, die übergreifend Lokalisationen der Mundhöhle und des Oropharynx umfassen, werden als Karzinom des Oropharynx klassifiziert.
Organspezifische Hinweise
Ohrspeicheldrüse
Primäre, in der Parotis entstandene Plattenepithelkarzinome sind selten und stellen eine Ausschlussdiagnose dar. Häufig handelt es sich um Lymphknotenmetastasen in unmittelbarer Nähe der Parotis, die von primären kutanen Plattenepithelkarzinomen ausgehen, beispielsweise im Rahmen eines regionären Lymphknotenrezidivs.
Quelle: WHO Classification of Tumours Editorial Board. Head and neck tumours [Internet]. Lyon (France): International Agency for Research on Cancer; 2023 [cited 2026-05-27]. (WHO classification of tumours series, 5th ed.; vol. 9). Available from: https://tumourclassification.iarc.who.int/chapters/52.
Lippe
Bei Lippenkarzinomen wird zwischen einem Lippenkarzinom der äußeren Haut und einem Lippenkarzinom der Mundschleimhaut unterschieden. Dies hat auch Auswirkungen auf die zu verwendende TNM-Klassifikation.
Lippenkarzinom der äußeren Haut:
Lokalisationen (TNM 8. Auflage)
- C44.0 (Lippenhaut o. n. A.)
- C00.0 (Äußere Oberlippe)
- C00.1 (Äußere Unterlippe)
- C00.6 (Lippenkommissur)
In der Regel werden die Begriffe „Spinozelluläres Karzinom", „Spinaliom" oder „Stachelzellkarzinom“ für ein Plattenepithelkarzinom der äußeren Haut verwendet.
Lippenkarzinom der Mundschleimhaut:
Lokalisationen (TNM 8. Auflage)
- C00.3 (Schleimhaut der Oberlippe)
- C00.4 (Schleimhaut der Unterlippe)
Rachen
Anatomische Bezirke und Unterbezirke des Oropharynx
(gemäß TNM 8. Auflage):
- Vorderwand:
Zungengrund (C01)
Vallecula (C10.0) - Seitenwand des Oropharynx (C10.2):
Tonsillen (C09.9)
Fossa Tonsillaris (C09.0)
Gaumenbögen (C09.1)
Glossotonsillarfurche (C09.1) - Hinterwand des Oropharynx (C10.3)
- Obere Wand:
Obere orale Fläche des weichen Gaumens (C05.1)
Uvula (C05.2)
Hinweise:
- Karzinome der Mundhöhle werden gesondert gemeldet, wenn keine durchgehende Tumorinfiltration vom Oropharynx in die Mundhöhle vorliegt (z. B. Tonsillenkarzinom links mit Infiltration der linken Retromolargegend).
- Mit der 8. Auflage des TNM wurde eine Einteilung in p16-positive und p16-negative Oropharynxkarzinome eingeführt.
- Die Angabe des p16-Status kann als Zusatzklassifikation erfolgen. Auch ist die Angabe im Histologiefreitext möglich.




